Hey Joe!

Um 3:00 wache ich auf. Etwas verwirrt und dann überrascht. Ich habe über 12 Stunden durchgeschlafen.

Gestern haben wir nicht weit vom Flughafen entfernt, in ein Hotel eingecheckt. Den Vormittag haben wir mehr oder weniger in der Lobby verbracht. Nur kurz sind wir dann etwas einkaufen gegangen und haben uns dann etwas zu essen gemacht.

Wie so oft ist es eine mittelschwere Herausforderung, sich im Hotel etwas Vernünftiges zuzubereiten, wenn einem auch nur ein Wasserkocher zur Verfügung steht.

Aber es gibt schlimmeres als eine Instant-Nudelsuppe. Und frischer Spinat und anderes Gemüse runden die Sache dann noch etwas ab.

Nach dem Essen sind wir dann gleich ins Koma gefallen.

Jetzt ist es also kurz nach 3:00. Es ist dunkel. Überall ruhig.

Erstmal noch eine Nudelsuppe mit dem Rest Gemüse machen. Gestern ist nicht viel rum gekommen. Dann schauen wir, wie wir überhaupt hier wegkommen bzw. wie wir zu unserem Ziel kommen. Wir sind gerade in Richmond. Unser Ziel ist die kleine Insel Salt Spring Island bei Vancouver Island.

Dann wird erstmal das Hotelfrühstück genauer unter die Lupe genommen. Ich habe von den letzten Tagen einiges nachzuholen. Nicht so überraschend: Es gibt wenig Veganes. Auf Nachfrage bekommen wir Sojamilch und vegane Bagels (Ich habe keine Ahnung, ob Bagels nicht immer vegan sind).

Schnell die alle Sachen zusammenpacken und zum nahe liegenden Busbahnhof laufen. Von dort wollen wir den Bus zur Fähre nehmen.

Ich komme mir etwas doof vor. Wir beiden mit unseren riesigen Rucksäcken auf dem Rücken und dann vorne noch ein Rucksack. Sonst habe ich immer andere Reisende komisch angeschaut, die so herumgelaufen sind. Habe mir immer gedacht, dass sie einfach nicht so viel mitnehmen sollten. Jetzt kann ich es irgendwie verstehen. Auch wenn ich wahrscheinlich selber zu viel Zeugs mitgenommen habe.

Zum Busbahnhof sind es nur ein paar Meter. Mit den beiden Rucksäcken will ich auch nicht wirklich mehr laufen. Als wir ankommen, kommt auch schon pünktlich der Bus. Im Bus müssen wir einen recht unbeholfenen Eindruck erwecken. Wir wissen nicht genau, wohin mit dem Gepäck und wie wir für den Bus bezahlen können. Schnell bieten mehrere Mitfahrer an, für unsere Fahrt zu bezahlen. Letztendlich gibt uns der Busfahrer selber einfach 2 Tickets.

Nach einer ansonsten unspektakulären kurzen Fahrt kommen wir bei der Fähre an. Sofort spricht uns ein Kanadier, der ebenfalls mit uns im Bus saß, an. Er lädt uns zu einem Kaffee und einem Keks ein. Natürlich vegan. Die Kanadier scheinen wirklich unglaublich nett zu sein. Das hatte ich schon mehreren Leuten gehört. Und British Columbia scheint auch für Veganer geeignet zu sein. Wir haben uns also den richtigen Ort ausgesucht.

Die Landschaft zieht langsam an uns vorbei. Ich komme nicht drum herum, an Skandinavien zu denken. Die Inseln, die Küste, allgemein die Vegetation erinnert mich stark an meine Kajaktour in Finnland. Irgendwie mag ich es. Auch wenn meist nicht unbedingt das beste Wetter ist. Und auch hier scheint es einen seichten andauernden Nieselregen zu geben. Vielleicht hätte ich doch gleich Gummistiefel mitnehmen sollen.

Am kleinen Hafen holt uns Joe ab. Bei ihm werden wir wohl die nächste Zeit unterkommen. Wie lange wissen wir noch nicht. Was wir dort alles machen, wissen wir auch noch nicht genau.

Schon von Weitem erkennen wir ihn. Mit seinem kurzen dunklen Bart, seiner Mütze und Lächeln im Gesicht. Rucksäcke packen wir hinten auf die Ladefläche und dann geht es weiter. Nach kurzer Zeit halten wir Ganges, dem größten Dorf auf Salt Spring Island. Joe lässt uns etwas durch das Dorf laufen, damit wir uns einen Überblick verschaffen können.

Jasmin und mich zieht es sofort in den Supermarkt. Klare Prioritäten. Wir schauen uns eine ganze Weile um, was es so alles hier gibt. Ich muss sagen, es gibt ein recht gutes Angebot – vor allem für eine so kleine Insel. Aber schließlich sind wir auch nicht weit von Vancouver entfernt. Aber vor allem das Gemüseangebot überrascht mich positiv. So viel verschiedenes leckeres Grünzeug und das meiste bio – natürlich zum entsprechenden Preis.

Wirklich viel mehr sehen wir von dem Dorf nicht. So groß ist es aber auch einfach nicht. Weiter geht es zu Joes Zuhause.

Es erwarten uns 3 Wohnwagen bzw. eher Anhänger und 1 kleines Holzhaus, welches sich noch im Bau befindet. Das ganze Areal voller Bäume. Ja eigentlich ein Wald. Ein kleiner Bach führt hindurch und man hört ständig das sanfte Plätschern des Wassers. Ich liebe das. Auf dem gesamten Gelände befinden sich viele kleine Haufen voller Baumaterial, Schrott oder sonstiges Zeug, was man vielleicht mal gebrauchen kann. Ich kenne das schon. Nicht unbedingt schön, aber auch nicht wirklich abschreckend.

Er führt uns überall herum. Zeigt uns, wo sich was befindet. Das Haus habe er über die letzten Jahre mehr oder weniger alleine gebaut. Fertig ist es jedoch noch lange nicht. Es ist jedoch schon beeindruckend, wenn sich jemand solch ein Haus komplett selber baut. Sicherlich ist es nicht mit den meisten Massivhäusern in Deutschland zu verglichen, aber zum Leben reicht es eigentlich. Joe schläft zumindest schon in dem Haus und das Bad funktioniert auch schon.

Wir können in einem der 2 Anhänger schlafen und entscheiden uns für den größeren am Bach. Joe kündigt jedoch schon an, dass wir in 1 Woche in den anderen umziehen müssen. Da dann auch noch jemand – auch ein Deutscher – herkommt, für den dieser reserviert ist.

Wir schauen uns noch etwas um. Reden etwas, Kochen und essen gemeinsam. Dann gehen wir auch schon schlafen. Irgendwie haben Jasmin und ich uns noch nicht wirklich an die neue Zeitzone gewöhnt. Aber dafür können wir ja am nächsten Tag früher aufstehen.