Erstmal den Garten aufräumen

Die Tropfen prallen in regelmäßigen Abständen aufs Dach unseres Wohnwagens. Das Geräusch finde ich zutiefst entspannend und angenehm. Ich wache vom Regen auf.

Zumindest beim zweiten Mal. Mein Wecker hat schon 30 Minuten vorher geklingelt. Aber es war kalt, dunkel und regnerisch. Das lädt nicht unbedingt zum Aufstehen ein. Als es zumindest dämmert, fällt es mir schon deutlich leichter. Kurz meditieren und dann geht es raus. Ein kleiner Spaziergang im Wald.

Kaum öffne ich die Tür, blicken mir zwei Rehe entgegen. Es dämmert noch. Stille. Lediglich das Plätschern des Baches im Hintergrund.

Ich laufe nur ein paar Minuten durchs Gelände. Alleine dies ist schon so angenehm befreiend und erdend.

Überall stehen moosbedeckte Zedernbäume, die so bekannt für British Columbia sind. Ich muss sagen, sie sind deutlich eindrucksvoller als die Bäume, die ich aus Deutschland kenne. Irgendwie haben sie eine ganz andere Ausstrahlung. Vielleicht liegt es auch daran, dass es in Deutschland kaum wirklich alte Bäume gibt.

Ich frage mich, wie viele Menschen deutlich weniger gestresst wären, wenn sie jeden Morgen einen kleinen Spaziergang voller Achtsamkeit durch solch eine Natur unternehmen würden. Sicherlich sehr viele.

Joe hatte schon gestern angekündigt, dass er diese Woche kaum Zeit für uns haben würde. Wir sind also viel auf uns alleine gestellt. Der Garten könne etwas aufgeräumt und das Moos entfernt werden. So werkeln wir den Tag draußen rum. Sortieren Feuerholz in kleine Päckchen. Verbrennen ungeeignetes Holz. Räumen auf.

Mir kommt nicht einmal der Gedanke, warum ich ans andere Ende der Welt geflogen bin, um Gartenarbeit zu machen. Ich will mich öffnen. Vor allem muss nicht alles immer produktiv und effektiv sein. Das ist etwas, was ich lernen möchte.

Am Abend beschließen wir, doch in den anderen Wagen umzuziehen. Der eine ist zwar großer und direkt am Wasser. Aber der andere ist irgendwie etwas gemütlicher und es stehen weniger andere Dinge darin, sodass wir uns besser einrichten können.

Etwas Komfort und Häuslichkeit sind wohl nötig, wenn man ansonsten schon so aus seiner Komfortzone herausgeht. Dann möchte man es einfach etwas gemütlich und ordentlich haben. So geht es mir zumindest. Das habe ich auch schon auf meinen ganzen Trekkingtouren, in denen ich im Zelt geschlafen habe, erlebt.