Was zum Teufel mache ich hier eigentlich?

Ich bin ans andere Ende der Welt geflogen. Ist hier alles besser? Ist es hier so toll, dass ich ewig hier bleiben möchte?

Nein natürlich nicht. Klar ist hier erstmal alles unbekannt. Voller neuer Eindrücke. Wenn man das mag, ist dies natürlich erstmal gut. Es ist schön hier. Es gibt viele Bäume und eine tolle Natur.

Doch es gibt auch andere Seiten. Inzwischen habe ich mir mehrmals kurz die Frage gestellt: Warum bin ich eigentlich hier? Warum mache ich das?

Ich war alles andere als unglücklich in Berlin. Wahrscheinlich brauche ich sogar viel weniger Abwechslung und Abenteuer als viele andere Menschen. Das heißt nicht, dass es mir egal ist, was ich tue und was um mich herum passiert. Aber ich komme sehr gut mit einer stabilen Umgebung zurecht.

Aber trotzdem lasse ich alles hinter mir und gehe irgendwo hin. Irgendwo, wo ich meine Umgebung nicht unter Kontrolle habe. Wobei mir sehr wohl bewusst ist, dass ich das sowieso nie habe. Aber hier halt noch viel weniger.

Wo wir untergekommen sind, ist es kind of abgefuckt. Es gibt keine richtige Toilette bzw. es gibt ein Plumpsklo. Draußen. Mit fairerweise 2,5 Wänden. Immerhin ein Dach. Ich will mich jetzt nicht darum streiten, ob dies eine richtige Toilette ist oder nicht. Einigen wir uns darauf, dass ich etwas anderes gewohnt bin.

Ansonsten setzt die Dusche auch nicht gerade höchste Maßstäbe. Nicht unbedingt sauber. Um warmes Wasser zu bekommen, muss man erstmal mit einer Rohrzange an einen kleinen Stift ziehen. Jasmin hatte heute eine riesige Schnecke auf dem Handtuch. Keine Ahnung, wie sie dahin gekommen ist. Aber immerhin war es keine riesige Spinne. So musste ich mir kein lautes Geschrei anhören.

In den Nächten ist es auch nicht gerade warm. So ein Wohnwagen ist nicht unbedingt gut isoliert. Zumindest nicht diese hier. Zum Glück haben wir unsere Schlafsäcke mit. Die haben wir gestern schon ausgepackt.

Alles nicht so schlimm. Ich bin ja sowieso nicht der Typ, der alles super toll braucht. Ach, das Internet ist langsam und auch nur teilweise verfügbar. Das wäre wohl das Erste, was ich ändern würde.

Es gibt ansonsten immer mal diese Momente, an denen ich mich frage, warum ich das mache. Warum mache ich hier einfach Gartenarbeit. Warum schnitze ich hier Ewigkeiten an kleinen Holzpaddel rum.

Wir haben uns heute eine Farm angeschaut und überlegt, ob wir dort nicht auch für einige Zeit mithelfen, Obst und Gemüse anzubauen. Wir würden sicherlich sehr viel lernen. Und trotzdem habe ich mich kurz gefragt, warum habe ich 3,5 Jahre studiert, um jetzt hier auf einer kleinen Farm zu arbeiten.

Ich will die Arbeit auf keinen Fall schlecht machen. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, ich könnte so viel mehr machen. Mehr bewegen. Mehr gestalten. Anspruchsvollere Arbeit vollführen.

Aber wer will schon bewerten, was anspruchsvoller bzw. bedeutsamer ist? Und das ist genau mein Punkt. Ist das alles vielleicht nicht genau das, was ich brauche. Einfach mal aus meiner Komfortzone herausgehen. Andere Dinge tun. Solche Dinge lernen. (Er-)leben, wie solch ein Leben ist.

Es sind gerade mal ein paar Tage, die ich hier verbracht haben. Und trotzdem mache ich mir schon solche Gedanken. Aber ich sehe es positiv. Schließlich will ich ja genau das: Aus meiner Komfortzone heraus gehen.

Klar habe ich mein Leben vorher total gemocht. Und ja, ich möchte andere Dinge tun. Mich selber mehr verwirklichen. Aber davor ist es vielleicht ganz gut, wenn ich auch andere Erfahrungen mache.

Ich schaue einfach mal, was noch alles auf mich zukommt.