Was bedeutet gute Arbeit?

Ein paar Nächte sind wir jetzt schon hier. Irgendwie ist es krass, wie schnell ich mich doch schon einlebe. Ich will nicht sagen, dass alles hier für mich alltäglich wäre. Aber trotzdem ist das Leben hier schon ein wenig normal geworden.

Aber halt nur ein wenig. Letztendlich bin ich immer noch dabei, mich zu orientieren. Irgendwie einen gewissen Tagesablauf zu finden. Mich in dieser unbekannten Umgebung zu entfalten. Irgendwie fällt mir dies vor allem nicht so leicht, da feststeht, dass wir nicht so lange bleiben werden.

Umso wichtiger ist, dass ich dies jetzt lerne. Aus einem Rucksack zu leben und trotzdem meine Routinen zu entwickeln. Nicht, dass es nötig wäre. Aber ich möchte es so.

Bis dahin wird mir auf jeden Fall nicht langweilig. Heute haben wir angefangen, ein kleines Gemüsefeld anzulegen. Das Gelände von unserem Gastgeber Joe ist recht größer und hat eine Lichtung umgeben voller Bäume. Dort hat er schon ein kleines Beet für Knoblauch angelegt.

Für uns hieß es, das Gras raus rupfen. Die Erde abschütteln. Wegwerfen. Anschließen die oberste Schicht Erde abnehmen und zur Seite schütten. Ach nein, das hatte ich irgendwie falsch verstanden. Naja jetzt haben wir einen Haufen Erde neben unserem Beet, den wir die Tage wieder verteilen können. Passiert.

Ich will sicherlich kein Feldarbeiter werden. Tagein tagaus auf einem Feld arbeiten zu müssen, würde mir nicht gefallen. Aber für so ein paar Stunden kann dies echt wertvoll und schön sein.

Mal wieder habe ich mich gefragt, was denn gute Arbeit ist. Woran bewerte ich, welche Arbeit gut oder wertvoll ist oder welche nicht. Für mich war jetzt schon sehr lange einer der wichtigsten Punkte, dass ich mich bei der Arbeit frei entfalten kann. Also nicht einfach nur stur etwas abarbeiten, sondern ich möchte mich frei einbringen können. Kreativ sein. Am besten ohne Vorgaben. Das ist auch immer noch so.

Aber ich muss auch immer wieder feststellen, dass es auch noch so viele andere Kriterien gibt. Letztendlich geht es erst einmal irgendwie darum, Geld zu verdienen. Also als erstes für Essen zu sorgen.

Aber trotzdem sollte Arbeit Spaß machen. Wir sollten uns dazu entscheiden. Sie wollen. Und nicht müssen.

Sicherlich ist das einfach gesagt. Vielleicht ist das eine zu idealisierte Sichtweise. Aber hey, besser so als anders herum.

Und ich meine auch nicht, dass immer alles Spaß machen muss und toll sein soll. So funktioniert das im Leben nicht. Und das ist auch völlig in Ordnung so. Die Kunst besteht viel mehr darin, sich immer mehr in die gewünschte Richtung zu bewegen. Mehr von dem zu machen, was wir wollen.

Bis dahin schaufel ich einfach etwas weiter im Gemüsefeld herum. Aber nicht zu lange. Ansonsten wird es für mich auch wieder belastend. Doch aus das würde einem wieder die Chance geben, an sich selber zu arbeiten. Selbst in völlig routinierten Tätigkeiten achtsam zu sein und das Leben zu genießen.

Also wie so oft kommt es einfach auf die eigene Einstellung drauf an.