Die schwerste Entscheidung meines Lebens

ICH BIN ZURÜCK. IN BERLIN.

 

Nachdem ich mich Monate lang auf eine Weltreise eingerichtet habe, komme ich nach gut einem Monat Kanada zurück. So viel zu Weltreise. Warum?

Kurze Antwort: Es ist kompliziert.

Lange Antwort: Es ist verdammt kompliziert. Aber lass mich versuchen, dir einige meiner Beweggründe nahezulegen. Nicht alle. Aber ein paar.

 

ICH WOLLTE ZU VIELE DINGE GLEICHZEITIG

 

Kennst du das, wenn du mehrere Dinge gleichzeitig willst, die sich nicht wirklich vereinbaren lassen?

Von Anfang an stand für mich fest, dass ich meinen Blog und meinen Podcast weiterführen wollte. Einfach weil es mir Spaß macht. Weil ich eine Vision habe. Ich dachte mir: Blogartikel kann ich von überall schreiben. Interviews kann ich auch einfach über Skype machen. Alles was ich mache, ist ortsunabhängig. Dann kann ich auch dabei Reisen und andere Erfahrungen machen. Die Welt sehen.

Verstehe mich nicht falsch, ich will immer noch genau das! Doch ich wollte zu viel gleichzeitig und vor allem zu schnell. Denn so gut die Vorstellung auch ist, von irgendetwas muss man erstmal Leben. Noch verdiene ich einfach kein Geld mit dem, was ich so mache. Da ich keine Fremdfinanzierung erhalte, muss ich entweder von meinem Ersparten leben oder selber arbeiten.

Mir war das natürlich schon vorher bewusst. Ich dachte, es sei kein Problem, x Stunden jeden Tag zu arbeiten und dafür dann eine Unterkunft und Essen zu bekommen. In der restlichen Zeit kann ich dann ja die Dinge tun, die ich tun will. Also an meinen Projekten arbeiten.

Sicherlich habe ich das alles im Vorfeld ein wenig zu idealisiert gesehen. Klar ist es aufwendiger, an eigenen Projekten zu arbeiten, wenn man noch nebenbei arbeitet. Genauso wenn man einen Vollzeitjob hat und dann nebenbei noch an eigenen zeitintensiven Projekten arbeiten will. Und wenn dann noch Kinder dazu kommen…

Das war mir schon bewusst. Doch irgendwie habe ich unterschätzt, welch großen Einfluss die Umgebung darauf hat. Reisen ist schön. Doch in den meisten Fällen ist eine gleichmäßige und kontrollierbare Umgebung besser, um wirklich produktiv zu arbeiten. Das heißt nicht, dass es nicht anders geht und natürlich kann auch gelegentlich das Gegenteil der Fall sein. Mich hat die andere Umgebung zumindest eher daran gehindert, dass zu tun, was ich wollte. Ich musste mich fragen: Warum bin ich eigentlich hier? Was will ich hier?

Wie gesagt, mir gefällt die Vorstellung, ortsunabhängig in den verschiedensten Orten dieser Welt zu arbeiten immer noch. Doch noch stimmen bei mir die Voraussetzungen — Voraussetzungen, die durch meine Ansprüche entstehen — einfach nicht. Solange ich mir nicht geeignete Umstände schaffen kann, kann ich auch nicht meine Projekte wirklich voranbringen. Solange ich immer für jemand anderen arbeiten muss oder nicht an Orten sein kann, an dem es vernünftiges Internet gibt, wird es schwer. Nicht, dass es gar nicht geht. Aber einfach nicht in dem Maße, wie ich es momentan gerne hätte.

Manchmal will ich einfach zu viel auf einmal und zu schnell. Und vor allem ohne wirkliche Kompromisse bei den einzelnen Punkten machen zu wollen.

 

ICH WOLLTE NIE EIN WELTENBUMMLER SEIN

 

Bevor ich nach Kanada geflogen bin, wurde ich mehrfach als Weltenbummler beschrieben. Ich kann das verstehen. Schließlich war ich letztes Jahr 1 Monat auf den Azoren, 1 Monat auf Island und wollte dann für unbestimmte Zeit nach Kanada und sonst wo hin. Doch ich habe mich selber nie als Weltenbummler gefühlt. So bin ich nicht.

Ich habe nicht das innere Verlangen, ständig neue Dinge zu entdecken und die Welt zu bereisen. Nicht, dass ich dies nicht auch schön und erstrebenswert finde. Doch diese Dinge sind es nicht, die mich wirklich erfüllen. Bei anderen Menschen mag dies so sein. Zum Glück sind wir alle unterschiedlich.

 

MIR HABEN GLEICHGESINNTE GEFEHLT

 

Was ich völlig unterschätzt habe, ist die Tatsache, wie wichtig Menschen um einen herum sind, die einen unterstützen. Menschen, mit den man sich austauschen kann. Die genauso ticken, wie man selber. Die einen motivieren. Das richtige Umfeld von Menschen hat so einen riesigen Einfluss auf uns.

Dass ich dies in Kanada nicht wirklich hatte, war größtenteils auch meine Schuld. Denn solche Menschen findet man weltweit. Ich hätte also an andere Orte gehen können, wo sich Menschen aufhalten, die ich suche. Doch wo halten sich diese Menschen meisten auf? Eher in Städten.

Dass alle meine Projekte momentan komplett auf Deutsch sind, erschwert das Ganze nur noch mehr. Nicht, weil ich mich mit anderen nicht auch auf Englisch austauschen könnte. Aber ich möchte auch mit anderen Menschen Projekte zusammen verwirklichen. Ich grenze mich da einfach etwas selber aus.

 

ES WAR EINE FRAU IM SPIEL

 

Wenn Männer von ihrem geraden Weg abweichen, sind meistens weibliche Kurven die Ursache.

— Unbekannter Autor

 

Und das ist auch gut so! Was gibt es für schönere Dinge im Leben als Beziehungen – ob Liebesbeziehung oder freundschaftlich. Wofür loht es sich zu leben, wenn nicht für Liebe?

Doch dies birgt auch Risiken. Ich habe mich so sehr in etwas hineingestürzt, was ich so sehr wollte – so sehr will. Irgendwann gab es jedoch immer mehr Punkte, die ich so nicht wollte. Ich wusste gar nicht mehr, was ich selber eigentlich wirklich wollte und was wollte ich nur, weil ich diese Beziehung wollte.

Dabei meine ich nicht, dass ich nicht auf Reisen gehen wollte. Im Prinzip will ich es immer noch. Aber nur unter bestimmten Bedingungen.

Irgendwie hat es einfach nicht so wirklich geklappt – mit ihr und mir. Dies hat unzählige Ursachen. Und alleine wollte ich einfach nicht Reisen. Dafür hat es mir an dieser Stelle zu wenig gegeben. Zu zweit Reisen konnte ich jedoch nicht mehr.

 

MIR HAT DIE IDEE BESSER GEFALLEN ALS DIE REALITÄT

 

Kennst du das? Du willst etwas so sehr, doch sobald du es bekommst oder erreicht hast, merkst du, dass dir eigentlich nur die Idee gefallen hat? Es ist viel mehr die Idee, in die du dich verliebt hast, als wirklich die Sache an sich. Zumindest geht es mir so.

Sicherlich spielt auch eine Rolle, dass ich — wie wahrscheinlich die meisten Menschen — Dinge will, die ich nicht habe. Doch in diesem Fall war es eher so, dass ich eine romantisierte Vorstellung davon hatte, wie es sein würde.

 

ICH WAR EINFACH NICHT (MEHR) OFFEN FÜR ETWAS ANDERES

 

Ab einem gewissen Punkt musste ich ehrlich zu mir sein. Ich musste mir eingestehen, dass ich keine typische Weltreise wollte. Ich wollte arbeiten und nebenbei reisen. 

Ja klar habe ich die Natur genossen. Sie fehlt mir. Ich wollte Neues sehen und andere Erfahrungen machen. Meine Horizonte erweitern. Aber irgendwie war ich nicht wirklich offen dafür. Ich wollte das nebenbei. Aber auch nicht wirklich.

Ich bin nicht mit der Intention losgezogen, um mich zu verlieren und mich zu finden. Letztendlich weiß ich, was ich momentan tun möchte. Und bis ich diesen Punkt erreicht hatte, hat es wirklich sehr lange gedauert.

Irgendwie hat es einfach zeitlich nicht ganz gepasst. Und ich merke, wie ich anfange herumzueiern. Denn mir ist bewusst, dass es eine Chance war, mich zu entwickeln. Meine Komfortzone zu verlassen und zu wachsen. Ich habe mich dagegen entschieden. Ich habe mich für etwas anderes entschieden. Weil es sich richtig angefühlt hat. Und das ist, was zählt. Oder?

Ach ja. Mein Haare. Ich habe mir meine Haare abrasiert. Irgendwann konnte ich mich mit ihnen einfach nicht mehr identifizieren. Es hat sich für mich nicht mehr richtig angefühlt. Außerdem sind kurze Haare so unglaublich viel unkomplizierter. Alleine die Überlegung, ob ich beim Duschen meine Haare nass mache oder nicht, ist für mich eine Einschränkung, die ich momentan nicht in meinem Leben will. Außerdem ist das Gefühl von so kurzen Haaren einfach toll.