Wer du bist und was du tust, sollte nicht von der Meinung anderer abhängig sein.

Wer bestimmt eigentlich, ob wir gut in etwas sind? Oder eben nicht? Wenn wir darüber nachdenken,  wir schnell klar, dass es hauptsächlich nicht unsere eigene Meinung ist.

 

Unsere Meinung von uns selber, unseren Fähigkeiten, worin wir gut sind oder auch nicht, ist überaus von anderen beeinflusst. Wahrscheinlich sogar maßgeblich beeinflusst.

 

Wir meinen in etwas gut zu sein. Meinen, bestimmte Dinge besser als andere zu können. Meinen, in bestimmten Dingen absolut nicht gut zu sein. Doch wie kommen wir überhaupt zu der Annahme? Doch eigentlich nur in dem wir uns mit anderen vergleichen und uns durch die Meinung anderer beeinflussen lassen.

 

Als kleines Kind tun wir einfach Dinge, weil wir sie tun wollen. Ohne bestimmte Intention. Besonders ohne die Intention, darin besonders gut zu sein. Wir tun es einfach. Ob wir darin vermeintlich gut oder schlecht sind, kümmert uns nicht.

 

Doch im Laufe der Zeit ändert sich das immer mehr. Von überall bekommen wir zu hören, was wir gut machen und was nicht. Es fängt mit ganz kleinen Dingen an. Kann sich jedoch bis auf unsere Person als Ganzes ausweiten. Dann sind wir — als Mensch — gut oder eben nicht gut.

 

Von unseren Eltern. Familie. Lehrer. Freunden. Partner. Arbeitskollegen. Kindern. Völlig Fremden. Alle scheinen eine Meinung darüber zu haben, was wir wie tun. Doch dabei bleibt es nicht. Wir bekommen sie zu hören und nehmen das Gesagte wichtig. Lassen uns davon beeinflussen.

 

Damit nicht genug, wir lassen uns nicht nur durch die Meinung anderer beeinflussen. Wir fangen auch noch an, ständig zu vergleichen. Es reicht nicht mehr, etwas für uns selber zu tun. Wir müssen uns auch vergleichen. Sind wir besser oder schlechter als andere in unserer Umgebung. Was ich besser als der andere? Bin ich in etwas nicht gut, spornt es mich an, mich zu verbessern oder aber ich lasse es lieber sein.

 

Aller spätestens mit dem Beginn der Schulzeit werden wir und unsere ‘Leistungen’ immer mehr verglichen und bewertet. Doch nach welchem Maßstab überhaupt? Oft natürlich mit anderen. Mit anderen, die uns viel gemeinsam haben wie Alter, Geschlecht, Interesse usw. Ansonsten auch gerne mit dem Durchschnitt. Der Norm. Lassen sich einige Dinge von Natur aus gut vergleichen, wie z.B. die benötigte Zeit für einen 100-Meter-Sprint, so versuchen wir anderen Dingen eine Form zu geben, damit wir sie vergleichen können. Doch ist das wirklich hilfreich?

 

Vor allem Dinge kreativer Natur lassen sich doch kaum vergleichen und noch schwerer bewerten. Damit wir diese Dinge doch vermeintlich gut bewerten können, erschaffen wir Dutzende Modelle und Theorien. Doch letztendlich kann von Objektivität keine Rede sein. Wie auch bei etwas so subjektivem wie z.B. Kunst.

 

Man sollte meinen, uns sei das alles eigentlich bewusst. Doch ist es das wirklich? Ist uns bewusst, wie sehr unsere Meinung von anderen beeinflusst ist. Meinen wir in etwas nicht gut zu sein, werden wir es wahrscheinlich nie wirklich ernsthaft tun. Sicherlich gibt es Ausnahmen. Doch die meisten tun lieber etwas anderes.

 

Viele Jahre über habe ich mich nie als kreativen Menschen gesehen. Vor allem nicht im künstlerischen Bereich. Warum? Wahrscheinlich, weil ich entsprechende Impulse aus meiner Umgebung bekommen habe. Meine gesamte Schulzeit und länger meinte ich nicht wirklich gut schreiben zu können.

 

Zwar konnte ich meine Gedanken recht gut artikulieren, doch trotzdem habe ich mich nie wirklich an irgendwelche Regeln gehalten. Das Plus hinter der 6 als Ergebnis für mein letztes Diktat hat dann auch nicht wirklich geholfen. Denke ich an die Zeit zurück, wird mir bewusst, wie sehr ich mich von der Meinung anderer — vor allem meiner Lehrer — abhängig gemacht habe. Sie sind Lehrer und sollten daher wissen, worin ich gut bin, oder?

 

Die ganze Zeit habe ich mich so sehr an ein Bild geklammert. An ein Bild, wie etwas sein sollte. Wie etwas auszusehen habe. Wie man schreiben sollte. Wie Kunst aussieht. Auch wenn ich absolut keine Ahnung von den Dingen hatte. Eigentlich gar keine Ahnung hatte, was denn wirklich gute Kunst, gutes Schreiben ist. Trotzdem habe ich mich selber eingeschränkt. Habe gedacht, ich könnte das nicht.

 

Nun möchte ich nicht sagen, dass ich unglaublich gut schreibe. Darum geht es mir gar nicht. Doch ist es nicht verrückt, wie sehr wir uns selber einschränken? Selbstverständlich kann es ratsam sein, auf die Meinung anderer zu hören. Sich mit anderen zu vergleichen. Doch sollte das nicht unbedingt unseren Maßstab so sehr bestimmen. Wir müssen nicht immer gut in den Augen anderer sein. Manchmal reicht es, wenn wir es selber gut finden. Wenn es uns einfach Spaß macht.

 

Tun wir Dinge, völlig losgelöst von anderen, so werden wir überrascht sein, wozu wir alles imstande sind. Was alles in uns steckt. Erlaube dir, einfach mal Dinge zu tun. Erlaube dir, einfach mal zu sein.