Denken und Glauben

I discovered that it is necessary, absolutely necessary, to believe in nothing. That is, we have to believe in something which has no form and no color — something which exists before all forms and colors appear… No matter what god or doctrine you believe in, if you become attached to it, your belief will be based more or less on a self-centered idea.

— Shunryu Suzuki

 

Wir gehen mit festen Annahmen durch die Welt. Mit Annahmen, wie die Welt beschaffen sei. Wie Dinge funktionieren. Was ist. Was nicht ist.

 

Wir meinen, zu wissen. Sicherlich nicht alles. Und doch sehr viel.

 

Fangen wir an, zu reflektieren, merken wir schnell, wie viel wir nicht wissen. Wohl nie wissen können. Gehen wir weiter, drängt sich eine andere Frage auf: Was wissen wir wirklich? Was können wir uns sicher sein?

 

Diese Frage mag beunruhigen. Denn hinterfragen wir wirklich, was wir zu wissen meinen, kann nicht viel übrig bleiben. All unsere Vorstellungen von der Welt sind letztendlich nur Vorstellungen. Können sie deswegen nicht wahr sein? Sicherlich. Doch warum sollten sie? Und wie wollen wir dies überprüfen?

 

Interessant wird es, wenn wir unsere eigene Existenz hinterfragen. Wer bin ich? Existiere ich wirklich? Können wir uns unserer eigenen Existenz sicher sein?

Ich denke, also bin ich.

— René Descartes

Auf den ersten Blick einleuchtend. Dann aber schon nicht mehr. Schon eher: Ich denke, als gibt es etwas Denkendes. Doch auch dieser Gedanke hat seine Grenzen.

 

Ich überlasse es den Philosophen, was wir denn wirklich wissen können und was auch nicht.

 

Doch ich komme nicht umhin, mich zu fragen: Woran kann ich glauben?

 

Wenn ich schon nichts weiß, so sollte ich zumindest glauben. Oder?

 

Im Laufe der Jahre hat sich meine Antwort auf die Frage, woran ich denn glaube, stark geändert. Mit zunehmenden Alter wurden nicht nur die Dinge, die ich ‘weiß’, weniger, sondern auch jene, an die ich glaube.

 

Muss ich an etwas glauben? Sollte ich an etwas glauben? Ist es eine Entscheidung, an etwas zu glauben? Oder glaube ich einfach an etwas?

 

Ich frage mich, an was glaube ich? Ich weiß es nicht.

 

Glaube kann etwas unglaublich Schönes sein. Etwas unglaublich Machtvolles. Lange Zeit hielt ich es — zu glauben — für etwas Notwendiges. Doch ist es das? Ist Glaube notwendig?