Gedanken übers Sterben

The fear of death follows from the fear of life. A man who lives fully is prepared to die at any time.

— Mark Twain

Über 26 Jahre hat es gedauert, bis ich wirklich Erfahrung mit dem Tod gemacht habe.

 

Zu erleben, wie eine Person plötzlich nicht mehr ist. Eine Person, die mein ganzes bisheriges Leben immer da war.

 

Zu sehen, wie schnell das Leben einem Körper entweichen kann. Wie der letzte Atemzug — der letzte Herzschlag — wirklich der letzte ist. Wie keiner mehr folgt. Alles ein Ende hat.

 

Doch was hat ein Ende? Und ist es wirklich ein Ende? Der Tod.

 

Ist es nicht verrückt, wie wir heutzutage mit dem Tod umgehen? Wie wir versuchen, ihn so gut es geht zu ignorieren?

 

Doch was ist es, was wir so sehr meiden wollen? Die Konfrontation mit unserer eigenen Sterblichkeit? Die Konfrontation mit der Einsicht, dass wir eigentlich absolut keine Kontrolle haben?

 

Ich meine, wir alle wissen, dass wir sterben werden. Darum gibt es kein herum. Das ist Teil des Ganzen. Teil vom Leben.

Life is like stepping onto a boat which is about to sail out to sea and sink.

— Shunryu Suzuki

Und trotzdem ist es so schwer, Sterben völlig anzunehmen. Woran halten wir fest? Ich weiß es nicht. Aber vielleicht ist die interessantere Frage: Wer oder was hält an der Illusion des Nicht-Sterbens fest?

 

Wir, also ‘ich’? Dann wäre wohl die Frage, wer dieses ‘ich’ denn ist. Eine Frage, die sicherlich einiger Beschäftigung wert ist.

 

Doch wir können auch ohne uns Fragen solcher Natur zu stellen, einen guten Umgang mit dem Tod finden. Vielleicht indem wir einen guten Umgang mit dem Leben haben? Indem wir uns völlig ergeben — dem, was ist. Nicht festhalten — an dem, was nicht ist.

 

Indem wir einfach sind. Bewusst sind. Bewusst leben.

 

So können wir die Angst einfach sein lassen. So wird sie vielleicht sogar ganz verschwinden.

 

Wenn wir nicht mehr versuchen, alles kontrollieren zu wollen. Unser Leben. Unsere Umwelt. Und sogar den Tod. Denn das konnten wir nie und werden wir nie können.

 

Doch was wir können, ist Einfluss nehmen. Aktiv werden. Aber auch passiv sein.

 

Wir können einen Stein ins Wasser werfen. Doch dann bleibt uns nichts anderes als zu schauen, was anschließend passiert.

 

Meine Erfahrungen vom Leben und vor allem vom Tod mögen recht spärlich sein. Doch wie so oft ist es nicht die Quantität, die zählt.

 

Was mich meine Erfahrung mit dem Tod gelehrt hat?

 

Erstmal, dass Sterben absolut nichts Schlimmes sein muss. Jedem, der sich nicht als rein isoliertes Individuum wahrnimmt, mag diese Vorstellung sicherlich leichter fallen anzunehmen.

 

Ansonsten vor allem eins: Leben ist kurz. Kostbar. Unglaublich wertvoll. Darum sollten wir jeden Moment nutzen. Leben. Erleben. Unser Leben mit Liebe und Glück füllen. Mit wunderbaren Menschen. Sinn und Werten. Dinge, für die es sich zu leben lohnt. Und für die wir auch sterben würden.

 

Das ist es, was mich der Tod bisher am meisten gelehrt hat: Sein Leben zu leben. Unserer menschliche Erfahrung als das zu sehen, was sie ist: Ein Geschenk. Ein Wunder. Genau wie jeder einzelne Tag. Jeder einzelne Moment.