Wenn Wissen uns daran hindert, zu verstehen

Wissen und Erfahrungen zu haben, ist enorm wertvoll. Doch manchmal kann uns das auch zum Verhängnis werden.

Manchmal verlieren wir das Gefühl, wie es war, als wir all die Sachen noch nicht wussten. Als wir noch ganz am Anfang standen. Als wir all die Fehler gemacht haben.

Wir nehmen unseren momentanen Stand als selbstverständlich an. Gehen davon aus, dass andere Menschen auch viel wissen. Doch natürlich ist das nicht so.

Unser Wissen und unsere Erfahrungen können uns daran hindern, uns die Lage von anderen Menschen zu versetzen. Wir können uns einfach nicht vorstellen, wie wenig manche Menschen von etwas wissen. Oder wie ihnen manche Sachen einfach nicht bewusst sein können. Das liegt völlig außerhalb unserer Realität.

Wer im Gesundheitsbereich tätig ist, weiß um die Bedeutung unserer Gesundheit auf unsere Lebensqualität. Doch sehr vielen Menschen ist absolut nicht bewusst, wie stark sich ihr Verhalten auf ihre Gesundheit und damit ihre Lebensqualität auswirkt. Wie groß der Einfluss ihrer Gesundheit wirklich ist. Oft müssen sie erst schmerzhafte Erfahrungen selbst machen, um dies zu realisieren.

Dies stellt uns vor eine große Herausforderung. Natürlich wollen wir uns Wissen aneignen und Erfahrungen machen. Lernen und besser werden. Doch gleichzeitig sollten wir die Realität anderer Menschen nicht aus den Augen verlieren. Emphatisch genug sein, um zu erkennen, dass sie unsere Sichtweise nicht teilen.

Wenn wir anderen Menschen helfen wollen, lohnt es sich, erst ihre Welt zu verstehen. All unser Wissen kann uns dabei im Weg stehen. Darum kann ein Amateur manchmal sogar hilfreicher sein als ein Experte. Ein Amateur versteht die Herausforderungen anderer Menschen manchmal besser als es ein Experte tut.

done is better than pefect

Perfekt schließt Türen. Es gibt keinen Spielraum. Keinen Platz für Verbesserungen. Keinen Platz für Fehler. Perfet schließt die Konversation.

Wenn wir etwas tun, sollten wir es möglichst gut tun. Wir können nach großartiger Arbeit streben. Bedeutungsvolle Arbeit in die Welt bringen. Doch der Anspruch nach Perfktion kann uns diese Möglichkeit nehmen.

Bring es in die Welt. Versuche es gut zu machen. Dann mache es das nächste Mal besser. Mach Fehler. Und lerne draus. Gut in der Welt ist besser als perfek im Kopf.

Bist du trotz einer anderen Meinung annehmbar?

Du kannst versuchen, möglichst nie negativ aufzufallen. Auch wenn du anderer Meinung bist, stimmst du trotzdem zu. Was in dir vorgeht, zeigst du nur teilweise. Ständig wägst du ab, wie du dich gerade verhalten solltest. Möglichst niemanden auf den Schlips treten.

Natürlich können wir versuchen, es anderen unter jeden Umständen Recht zu machen. Doch tun wir uns damit einen Gefallen? Tun wir anderen damit einen Gefallen?

Einer anderen Meinung zu sein, bedeutet nicht gleichzeitig, dass man gegen jemanden sein muss. Es bedeutet auch nicht, dass man nicht trotzdem gut zurechtkommt. In der Tat können wir gemocht und geschätzt werden, weil wir eine andere Meinung haben und sie kommunizieren.

Wer will schon jemanden bei sich haben, der immer nur zustimmt und alles tut, um zu gefallen? Ehrliches Feedback ist kostbar und selten zu bekommen. Deine eigene Perspektive auf eine angenehme und schätzende Art und Weise zu kommunizieren, könnte dir und anderen einen großen Dienst erweisen.

Das Ende der Meinungsfreiheit

Wir können praktisch alles kreieren, was wir wollen. Können über jedes Thema Artikel, Podcasts, Videos, Bücher, Kurse usw. produzieren.

Doch das ist nicht selbstverständlich. Uns kommt es selbstverständlich vor, da wir nichts mehr anderes kennen. Schauen wir jedoch nur ein wenig zurück, sehen wir sofort, dass uns die Geschichte etwas ganz anderes erzählt: Wenige kontrollieren viele.

Schauen wir zurück, könnte man meinen, es sei normal, dass wenige Menschen versuchen genau diese Freiheit zu limitieren. Dass es normal sei, dass wir uns nicht frei äußern dürfen. Dass wir nicht einfach etwas in die Welt bringen können, nur weil wir es wollen.

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass sich unsere Zeiten wieder ändern werden. Vielleicht werden wir uns eines Tages an diese heutige Zeit zurücksehnen. Als wir uns noch frei äußern konnten.

Also, wie nutzt du diese Freiheit? Um dich zu unterhalten? Um dich abzulenken? Oder um möglichst viel Positives in die Welt zu bringen?

Du musst die Antwort nicht wissen

Beim Start musst du nicht die Antwort wissen. Es reicht, wenn du die richtigen Fragen stellst.

Wahrscheinlich ist es sogar so: Wenn du bereits anfangs die Antwort weißt, ist dein Ziel nicht groß genug. Beginne daher damit, die richtigen Fragen zu stellen. Simple Fragen, die nur darauf warten, beantwortet zu werden.

Wie kann ich gesünder Leben? Wie kann ich mehr Geld sparen? Wie kann ich ein besserer Partner sein? Wie kann ich täglich ausreichend schlafen? Wie kann ich mehr kreieren? Wie kann ich herausfinden, was ich wirklich in meinem Leben machen möchte?

Es fängt mit einer Frage an. Stell sie dir oft genug. Die Antwort wird dann schon kommen.

Kriterien für täglichen Fortschritt

Woran machst du Fortschritt fest? Woher weißt du, ob du in die richtige Richtung gehst? Ob du deinen Zielen wirklich näherkommst?

Es passiert so schnell, dass wir uns an ungünstigen Metriken orientieren. An Sachen, die nicht geeignet sind, um unseren Fortschritt wirklich zu messen. Wenn du an den falschen Sachen arbeitest, kommst du nicht voran. Dann kannst du auch noch so produktiv arbeiten. Also, woran solltest du deinen Fortschritt messen?

Schlechte Kriterien für täglichen Fortschritt:

  • Anzahl von erledigten Aufgaben
  • Anzahl von bearbeiteten E-Mails
  • Anzahl von besuchten Meetings
  • Anzahl der Personen, mit denen du gesprochen hast
  • Anzahl der Stunden, die du gearbeitet hast
  • Du warst den ganzen Tag beschäftigt

Gute Kriterien für täglichen Fortschritt:

  • Anzahl von veröffentlichten Artikeln, Videos usw.
  • Anzahl von Personen, denen du geholfen hast bzw. dessen Tag du besser gemacht hast
  • Anzahl der Dinge, die du an diesem Tag gelernt hast
  • Dauer, in der du Freude, tiefe Zufriedenheit oder Dankbarkeit verspürt hast
  • Du kannst am Ende des Tages mit »Ja« antworten, ob du deinem momentanen Ziel wirklich etwas nähergekommen bist
  • Du hast dich morgens gefragt, was das allerwichtigste an diesem Tag ist und hast dich darauf fokussiert

Viel zu oft orientieren wir uns an Sachen, die nicht viel aussagen. Die unwichtig sind. Meinen, dass es reicht, beschäftigt zu sein. Doch so werden wir unsere Ziele wahrscheinlich nicht erreichen. So machen wir keinen Fortschritt. Überlege dir daher gut, woran du deinen Fortschritt festmachst.

Harte Arbeit ist definitiv nicht alles

Wer große Fortschritte machen möchte, tendiert schnell dazu, fokussiert und lange zu arbeiten. Doch wir sind oft deutlich besser dran, wenn wir zuerst den großen Domino identifizieren.

Harte Arbeit ist gut, wenn wir an den richtigen Sachen arbeiten. Zuvor sollten wir den Engpass identifizieren. Arbeiten wir an den falschen Sachen, führt das eher zu Frustration als zu wirklichem Fortschritt.

Innere Arbeit als Ablenkung

Machen wir uns nichts vor: Die Arbeit an uns selbst ist nie abgeschlossen. Wir können immer weiter, immer mehr an uns selbst arbeiten. Und das ist auch gut so. Schließlich ist die innere Arbeit eine wesentliche Grundlage, damit wir gute Arbeit im Äußeren machen können.

Innere Arbeit ist schwer. Daher ist es nur verständlich, dass viele Menschen sich vor ihr scheuen. Meinen, sie könnten sie ignorieren. Ohne sie auskommen. Diese Menschen haben die Arbeit an sich selbst meist am nötigsten.

Gleichzeitig können wir uns auch in innerer Arbeit verstecken. Solange wir an uns selbst arbeiten, müssen wir keine Werke in die Welt bringen. Wir können es als Entschuldigung sehen. Schließlich sind wir so sehr mit uns selbst beschäftigt. Wie könnte da jemand nur auf die Idee kommen, wir müssten in anderen Bereichen Fortschritte machen?!

Innere Arbeit ist wichtig. Ja notwendig. Doch wir sollten sie nie als Ausrede nehmen, unsere Kreationen in die Welt zu bringen. Einen Beitrag zu leisten. Die Welt etwas besser zu machen.

Ergebnisse vs. Prozess

Im Sport schauen wir in erster Linie nach dem Ergebnis. Wer hat das Spiel gewonnen? Wer hat mehr Punkte gemacht? Erst dann entscheiden wir, ob wir mit dem eigentlichen Spiel zufrieden sind. Im Business ist es oft genauso. Das Ergebnis zählt.

Doch wenn wir uns zum Beispiel die Wissenschaft anschauen, wird dort anders vorgegangen. Dort fokussieren sie sich auf den Prozess. Es geht darum, zu lernen und ein zuverlässiges Vorgehen zu entwickeln. Das ist erstmal unabhängig von den Ergebnissen. Natürlich sind ihnen die Ergebnisse nicht egal. Doch das Vorgehen steht an erster Stelle. Wichtiger als das Ergebnis selbst, ist der Prozess, der zu diesen Ergebnissen geführt hat.

Von dieser Herangehensweise können wir alle lernen. Wir können lernen, den Prozess an erster Stelle zu setzen. Wir können versuchen, Systeme zu bauen, die unsere gewünschten Ergebnisse liefern. Der wichtige Unterschied in derer Herangehensweise ist, dass wir uns auf die Sachen fokussieren, die wir beeinflussen können. Wir fokussieren uns darauf, unsere Systeme zu verbessern. Wenn wir nicht das gewünschte Resultat erhalten, suchen wir keine Entschuldigungen oder Schuldige. Stattdessen suchen wir nach Optimierungsmöglichkeiten im System.

Wie könnte sich das äußern? Statt zu fragen »Wie hat sich das Team geschlagen?«, können wir fragen »Hat sich das System bewährt und gemacht, was wir wollten?« Ergebnisse können als Orientierung dienen. Doch sie sollten nicht der oberste Maßstab sein. Wenn wir uns stark an Ergebnisse orientieren, versuchen wir schnelle Anpassungen am System vorzunehmen. Wir schauen, was wir ändern können, damit wir unsere gewünschten Ergebnisse erreichen. Doch das bringt uns begrenzt weit.

Wenn wir etwas wirklich voranbringen wollen, sollten wir uns immer auf den Prozess fokussieren. Wir sollten verstehen, was die zugrundeliegenden Prinzipien sind. Was ist die Strategie und warum genau diese, genau so? Welche Wirkungsmechanismen herrschen und welche Methoden sollten wir nutzen? Egal um welchen Bereich es geht: Wenn wir etwas wirklich gut machen wollen, können wir diese grundlegenden Betrachtungen nicht vernachlässigen. Im Gegenteil: Wir sollten sie in den Vordergrund stellen.

Als nächstes können wir schauen, wie wir unser System verbessern. Vielleicht haben wir beim 3. Versuch immer noch nicht viel bessere Ergebnisse. Vielleicht haben wir das Spiel wieder haushoch verloren. Vielleicht sind unsere Verkäufe immer noch nicht gestiegen. Doch vielleicht haben wir etwas gelernt. Vielleicht haben wir Vorgänge optimiert und es dauert einfach etwas, bis sich das in den Ergebnissen zeigt. Wenn wir nur schnell Resultate sehen wollen, vernachlässigen wir schnell diese wichtigen Schritte.

Also, egal was du tust: Sieh die Ergebnisse nicht als das Wichtigste an. Schau, wie gut das System ist. Wie du das System verbessern kannst. Wenn du dich auf den Prozess fokussierst, werden die gewünschten Ergebnisse irgendwann automatisch kommen.

Neue Ziele werden dir keine neue Ergebnisse liefern. Dein Lebensstil tut es. Und dein Lebensstil ist kein Ergebnis, es ist ein Prozess. Fokussiere dich daher auf deinen Lebensstil sowie deine Entwicklung und jage nicht immer besseren Zielen hinterher.

Der Creator und der Rest

Es gibt 2 verschiedene Typen von Menschen auf der Welt. Den Creator und alle anderen.

Beim Creator liegt der Fokus seines Lebens auf seiner Arbeit. Bei allen anderen liegt der Fokus auf allen anderen Sachen.

Der Creator kreiert. Gestaltet. Erschafft. Doch er ist kein Schöpfer. Viel eher ein Medium, das dem Höheren eine Form verleiht.

Ist es eine Entscheidung, wie du durch die Welt gehst? Wohl kaum. Der Creator hat keine Wahl. Es ist nichts, was er tut. Stattdessen passiert es durch ihn. Alles, was er tun kann, ist sich zu ergeben.

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