Die Vereinbarung von Reisen mit einem gesunden Leben

Es gibt diesen einen Zwiespalt, der mir momentan einfach keine Ruhe lässt.

Früher habe ich mich stets gefragt, was ich im Leben eigentlich will. Inzwischen habe ich einige Punkte für mich gefunden. Doch die Vereinbarung von zwei dieser Punkte bereitet mir wirklich Schwierigkeiten.

  1. Nicht sonderlich überraschend: Ich möchte einen gesunden Lebensstil führen. Regelmäßiges Training, eine gesunde Ernährung, ausreichend An- und Entspannung sowie erfüllte soziale Beziehungen. Schon seit Langem merke ich, wie mir regelmäßiges Training und eine gute Ernährung gut tun und ich möchte sie nicht mehr missen.
  2. Außerdem möchte ich mehr erleben. Das Wort Leben ist nicht umsonst in Erleben enthalten. Ich möchte meinen Horizont erweitern, neue Erfahrungen machen, Lernen und mich entwickeln. Im Prinzip ist dies immer und überall möglich. Doch vor allem beim Reisen gelingt es mir so gut wie sonst nie. Ständig mit neuen Situationen konfrontiert zu werden und ohne Ablenkung sich und die Natur zu erleben, eröffnen einem völlig neue Perspektiven über die Welt und einem Selbst.

 

ICH DENKE, ICH WEISS ZIEMLICH GENAU, WAS ICH WILL. ALSO WO IST DAS PROBLEM

Es ist für mich relativ einfach, im Alltag etwas für meine Gesundheit zu machen. Jeden Morgen zur gleichen Zeit aufstehen, einen Smoothie trinken, meditieren, trainieren und anschließend einen weiteren Smoothie trinken. Ich liebe Routinen. Gerne kann jeder Tag so beginnen. In einem kontrollierten Umfeld ist es für mich einfach, diese Sachen umzusetzen. Ist etwas erst einmal zur Gewohnheit geworden, macht man es ohne jedes Mal zu überlegen, wie man sich gerade fühlt oder ob man überhaupt Lust hat. Jetzt wird trainiert. Punkt. Und dann trainiert man. Mir fällt es besonders leicht, da ich Routinen, Gewohnheiten und Sicherheiten mag. So ticke ich einfach.

Aber: Macht mich das wirklich glücklich?

Ich ziehe eine unglaubliche Zufriedenheit aus solchen Routinen. Doch tief im Inneren weiß ich, dass ich meine Komfortzone verlassen muss… Auch wenn oder vielleicht gerade weil es meiner Natur widerspricht, schreit etwas in mir nach völliger Freiheit. Freiheit von Regeln, Verpflichtungen und der Gewissheit, wie der Tag enden wird.

Die stetige Konfrontation mit Ungewissen zwingt einen dazu, feste Denkstrukturen zu hinterfragen.

So gut ich auch darin bin, mein Vorhaben im geregelten Alltag umzusetzen, sobald ich auf Reisen bin, bricht mein System schlagartig zusammen. Ich habe immer viele Sachen dafür verantwortlich gemacht: ich war ständig unterwegs und hatte keine Zeit, das Wetter war schlecht, wenn ich jeden Tag mehrere Stunden Fahrrad fahre, müsse ich nicht auch noch Krafttraining machen, ich hatte einfach nicht das nötige Equipment zur Verführung, ich habe einfach keine gesunden Lebensmittel zur Verfügung usw.

Letztendlich sind es mehr oder weniger Ausreden. Wenn ich wirklich etwas hätte machen wollen, hätte ich auch etwas machen können.

Mein Problem ist nicht die Motivation. Ich denke, mein Problem liegt woanders: mein Anspruch.

Ich habe einen gewissen Anspruch an mich, mein Training, wie ich mich ernähre usw. Wenn ich verreist bin, hatte ich den gleichen Anspruch an diese Dinge. Dabei ist es klar, dass ich unterwegs nicht genauso gut trainieren kann. Ich kann einfach die Regelmäßigkeit nicht sicherstellen und auch habe ich eigentlich nie mein bevorzugtes Equipment zu Verfügung. Und auch mit der Ernährung wird es schwierig. Wenn ich 2 Wochen in Norwegen wandern gehe, kann ich nicht für die gesamte Zeit frisches Obst und Gemüse mitnehmen.

Der ein oder andere fragt sich jetzt vielleicht: “Ja dann ist das halt mal nicht möglich und man muss mal einen Kompromiss eingehen. Was ist daran so schlimm?”

Schlimm ist daran nichts. Es geht mir nicht darum, dogmatisch an irgendetwas festzuhalten. Viel mehr merke ich einfach sehr deutlich den Unterschied, wenn ich mich anders verhalte. Mir geht es um mein Körpergefühl.

Nach fast einem Monat Wandern auf den Azoren Anfang des Jahres habe ich mich körperlich so schlecht wie noch nie gefühlt. Mir ging es nicht wirklich schlecht und ich vergleiche es auch nicht damit, wenn ich mal krank war. Aber mein körperliches Grundbefinden war einfach nicht gut. Ich habe in der gesamten Zeit so gut wie gar nicht trainiert und meine Ernährung war auch alles andere als beispielhaft. Nach diesem Monat hatte ich geschlussfolgert, dass längeres Reisen einfach nichts für mich ist bzw. ich es nicht mit meinen Zielen vereinbaren kann. Längere Zeit in irgendwelchen Resorts oder Unterkünften zu verbringen, war für mich auch nie eine Option.

Hinzu kommt noch, dass ich dadurch auch nie wirklich völlig aufs Reisen einlassen konnte. Zurück blieb immer ein Gefühl der Unzufriedenheit.

Es sind noch keine 3 Monate vergangen und ich hege schon wieder Reisepläne. Immer mit dem unguten Gefühl, dass es nächstes Mal nicht viel anders wird. Doch es muss eine Lösung für mein Problem geben. Ich habe es mir jetzt als Herausforderung gemacht, für mich das Reisen und einen gesunden Lebensstil zu vereinbaren.

Bevor du das nächste Mal auf Reisen gehst, frag dich: Wie kannst du deine Reise mit einem gesunden Lebensstil vereinbaren.