Alles, was ist, ist, wie es ist.

If your mind is empty, it is always ready for anything, it is open to everything. In the beginner’s mind there are many possibilities, but in the expert’s mind there are few.

— Shunryu Suzuki

Tatsächlich gibt es doch so unglaublich wenig, was wir wirklich wissen. Was können wir uns schon sicher sein? Was wissen wir wirklich? Nehmen es nicht nur einfach als gegeben an. Verdammt wenig.

 

Mir fällt eigentlich nur eine Sache ein. Mehr nicht. Doch dazu ein anderes Mal mehr. Mit dieser Einstellung. Mit dieser Lebensweise durchs Leben zu gehen, kann unglaublich befreiend sein. Ohne Annahmen, wie etwas zu sein hat. Ohne sich ständig fragen zu müssen, ob es so auch richtig ist. Es ist einfach.

 

Doch der Versuch komplett offen zu sein. Nichts als richtig oder falsch zu sehen. Alles zu hinterfragen. Lässt einen mit einem zurück: mit Fragen. Neben den Fragen aber vor allem mit Ruhe und Frieden. Mit dem Gefühl einfach nur sein zu können und zu lassen.

 

Nun mag dies in einer Welt, in der vor allem Antworten gesucht werden, auf Unverständnis stoßen. Wer nicht den Drang hat, etwas zu sagen, der sagt auch nichts. Doch hat er nichts zu sagen oder tut er es einfach nicht?

 

Gerade fühl ich mich, als hätte ich nichts zu sagen. Alles, was ist, ist, wie es ist. Wozu drüber reden oder denken. Einfach nur sein. Lasst uns das mehr tun. Einfach mal schweigen. Wahrnehmen. Leben. Fühlen. Und Sein.

23. Dezember 2017

Fühl den Widerstand und tu es trotzdem.

Jeder von uns weiß, wenn wir in etwas wirklich gut werden wollen, müssen wir es sehr oft tun. Wir müssen üben und trainieren. Immer und immer wieder.

 

Die Idee ist einfach. Die Umsetzung nicht. Wie so oft.

 

Für mich ist es so interessant zu beobachten. Mich zu beobachten, wie ich immer wieder mit der Umsetzung strauchle. Ich möchte gerne besser schreiben können. Darum muss ich schreiben. Mehr schreiben. Viel mehr.

 

Oft habe ich sogar wirklich Lust dazu. Doch wenn ich es dann angehe. Es ernst wird. Dann baut sich ein riesiger Widerstand auf. Auf einmal fallen mir 1000 andere wichtige Dinge ein. Mir kommen Gedanken, dass mir Schreiben doch gar nicht so wichtig sei. Oder ich weiß auf einmal absolut nicht mehr worüber.

 

Sonst schwirren Unmengen von Ideen in einem Kopf herum. Ich kann ganze Aufsätze in meinem Inneren aufsagen. Doch sobald ich anfangen möchte, meine Gedanken in eine lesbare Form zu bringen, ist es still.

 

Das ewige Dilemma. Jedes Mal muss ich an Steven Pressfields Buch ‘the war of art’ denken. Diesen inneren Widerstand, der aufkommt. Der einen davon abhält, das zu tun, was man eigentlich möchte. Muss das denn sein? Muss es so schwer sein?

 

Ich weiß nicht. Die Antwort, dass es ansonsten jeder tun würde, gefällt mir hierbei eher nicht. Auch wenn wahrscheinlich etwas dran ist. Doch ich denke mir, irgendwann muss es doch besser werden. Irgendwann muss es doch wie von alleine gehen. Bei anderen Dingen klappt es doch auch. Wenn etwas erstmal wirklich zur Gewohnheit wird — das Training, eine neue Ernährungsweise, mehr Bewegung im Alltag —, dann klappt es doch auch ganz einfach. Wie von alleine. Doch klappt das auch mit Kreativität?

 

Kann ich meine Kreativität trainieren? Nicht nur, dass ich besser schreibe, sondern auch, dass es mir leichter fällt. Ich denke schon. Hoffentlich. Letztendlich sollte alles irgendwie trainierter sein. Verwende ich bestimmte Bereiche in meinem Gehirn öfter, so passt sich mein Gehirn entsprechend an. Wenn auch langsam.

 

Nun bleibt trotzdem noch das Problem der Umsetzung. Diesen Widerstand, den es zu überwinden gilt. Doch wo ich beim Training einfach nur ein bisschen mache. Bei der Ernährung einfach ein bisschen mehr Obst und Gemüse esse. Mich einfach etwas mehr bewege. Was tu ich da beim Schreiben? Wenn einfach keine Worte kommen wollen.

 

Trotzdem einfach nur ein bisschen schreiben. Die Worte kommen schon. Zumindest irgendwann. Ich erinnere mich noch an ein Interview. Mit einem erfolgreichen Schriftsteller, dessen Name ich nicht mehr weiß. Er meinte, er verbinde den Vormittag damit, das Schreiben aufzuschieben und sich abzulenken, sodass er dann am Nachmittag endlich zu schreiben käme.

 

Und vielleicht ist es wirklich so. Vielleicht wird es niemals wirklich einfach. Vielleicht bleibt es bei diesen selten Momenten, in denen die Worte einfach zu so fließen. Sich die Finger von alleine bewegen. Das Ganze wie ein Wunder Gestalt annimmt. Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht.

 

Es liegt an mir, es herauszufinden. Doch dazu muss ich wohl … schreiben. Ja gut, hier waren wir schon.

17. Dezember 2017

Endlich ohne Wecker aufstehen

I love sleep. My life has the tendency to fall apart when I’m awake, you know?

— Ernest Hemingway

 

Ich habe dieses Experiment gestartet. Etwas, was ich schon immer mal tun wollte. Vor allem in der Schule habe ich mich immer mal wieder gefragt, wie es wohl wäre. Wie wäre es, einfach mal nie einen Wecker zu stellen.

 

Das ist nun über 2 Monate her. Über 2 Monate wurde ich von keinem Wecker geweckt. Bin ganz von alleine aufgewacht. Naja zumindest gelegentlich.

 

Ich denke, es Bedarf absolut keiner Erklärung, warum man so etwas mal versuchen möchte. Lass mich dir gleich eine Illusion nehmen: Ich habe nicht bis sonst wann ausgeschlafen. Meistens bin ich zwischen 7:00 und 8:00 aufgewacht. Lediglich 2 mal habe ich etwas länger geschlafen. Logischerweise an Tagen, an denen ich zuvor später in Bett gegangen bin.

 

Doch das soll nicht heißen, dass ich nicht viel geschlafen hätte. Ganz im Gegenteil. Meistens habe ich die 9 Stunden locker geschafft. Anfangs dachte ich noch, dass sich das mit der Zeit gibt. Das ich wohl etwas nachzuholen hätte.

 

Inzwischen glaube ich nicht mehr so richtig daran. Wahrscheinlich im Sommer wieder. Wenn die Tage länger werden und die Nächte kürzer. Ist es nicht sowie viel natürlicher im Winter — wenn es kalt und ungemütlich ist — deutlich länger zu schlafen. Im Sommer dann halt wieder weniger.

 

Ich muss sagen, es hat sich gut angefühlt. Ich habe mich gut gefühlt. Anscheinend brauche ich zu dieser Jahreszeit wohl wirklich mehr Schlaf. Den will ich mir gerne gönnen — soweit es halt geht. Interessanterweise bin ich jedoch immer zu einer ähnlichen Zeit aufgewacht. Ob ich nun gegen 22:00 oder 23:00 ins Bett gegangen bin, hat irgendwie keinen großen Unterschied gemacht. Anscheinend bin ich wohl einfach doch kein Frühaufsteher — ja auch das liegt im Auge des Betrachters.

 

Aber kein Selbsttest ohne Gegentest. Nun also wieder mal mit Wecker. Gerne dann auch früher. Ich bin gespannt, wie ich mich dann fühle. Ob ich überhaupt einen Unterschied spüre? Doch was wenn nicht? Gibt es dann keinen Unterschied oder kann ich nur keinen wahrnehmen? Denn auch eine schlechte Schlafqualität soll wohl erstmal nicht unbedingt spürbar sein. Sich indirekt jedoch schon bemerkbar machen.

 

Also jeden Morgen erstmal schnell ein paar Rechenaufgaben. Oder Sudoku. Oder lieber nicht. Schließlich will ich nicht zu weit treiben. Wobei ein Schlaftracker wohl auch nicht schlecht wäre … Naja letztendlich ist es ja nur Schlaf, richtig?

 

Für mich zumindest nicht. Denn das habe ich auf jeden Fall in den letzten Monaten gemerkt: Ich liebe Schlafen. Nicht unbedingt, weil ich es liebe zu schlafen. Viel mehr, weil ich mir dessen Bedeutung bewusst bin. Über die unglaublich wichtige Bedeutung, die unser Schlaf für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden hat. Ich hoffe bei dir auch.

15. Dezember 2017

Hauptsache unterwegs …

This is a fundamental irony of most people’s lives. They don’t quite know what they want to do with their lives. Yet they are very active.

—  Ryan Holiday

 

Immer in Bewegung. Machen. Tun. Immer weiter. Bis … Ja, bis was?

 

Es ist traurig und ironisch zugleich, dass so viele wie gelähmt sind. Gelähmt von der Unwissenheit, was sie nur tun sollen. Und zugleich so viele immer damit beschäftigt, etwas zu tun. So sehr, dass sie nicht dazu kommen, sich zu fragen, was es eigentlich zu tun gilt. Was sie eigentlich tun wollen.

 

Es gibt den gut gemeinten Ratschlag, dass man immer in Bewegung bleiben soll, um mit dem Leben mitzuhalten. Und es ist viel dran. Doch blind irgendetwas zu tun, ist sicherlich nicht immer die beste Option.

 

Ist es nicht verrückt, wie wir Menschen sind? So viele von uns wissen nicht, was sie im Leben wollen. Treiben ziellos umher. Meinen, wenn sie nur wüssten, was sie wollten, wäre alles einfacher.

 

Und doch unternehmen sie recht wenig, um es herauszufinden. Ganz als würden sie sich vor der Erkenntnis verstecken. Als würden wir die Suche scheuen.

 

Denn wenn wir erstmal wissen, was wir im Leben wollen, müssen wir es immer noch tun. So wirklich einfacher wird es also nicht.

 

Ich selbst kann mich immer wieder beobachten, einfach irgendetwas zu tun. Mich abzulenken. Hauptsache aktiv zu sein. Obwohl ich eigentlich etwas anderes tun möchte.

 

Möchte ich wirklich? Eher nicht. Eigentlich möchte ich lieber schon ankommen. Etwas erreichen. Doch so funktioniert es nicht.

 

So verfalle ich auch immer wieder genau der gleichen Tücke. Hauptsache beschäftigt. Ob ich nun weiß, wo ich hin will oder auch nicht, macht dann auch keinen großen Unterschied mehr.

 

Lasst es uns als Weg erkennen. Lasst uns den aufkommenden Widerstand willkommen heißen. Lasst uns den Widerstand suchen.

 

Doch lasst uns versuchen, uns nicht gleich wieder in Aktivität zu verlieren.

 

So manches lässt sich nur in völliger Ruhe finden.

 

Also lasst uns stoppen. Innehalten. So manch einer wird überrascht sein, welch Widerstand sich jetzt erst auftut.

 

Und können wir keinen Widerstand finden, so sind wir wohl noch zu sehr in Bewegung. Oder zu sehr in Ruhe. Oder aber wir brauchen ihn nicht mehr. Lass es uns rausfinden.

14. Dezember 2017

Jetzt also doch wieder: Journaling

Damals — OK, vor ein paar Monaten — als ich ein Journal gestartet habe, ging es mir vor allem darum, mir einen Platz zu schaffen, in dem ich meine Gedanken frei laufen lassen kann. Es war, als ich das 2. Mal nach Kanada gegangen bin. Im Journal wollte ich Erlebtes, Erfahrung und Gedanken ‘einfangen’. Aufschreiben, was in und mit mir passiert.

 

Genau das möchte ich jetzt wieder aufnehmen. Ich habe ja immer wieder einfach Gedanken niedergeschrieben. Doch etwas aus meinem Leben kam dabei nicht so wirklich vor. Ich sehe das Ganze hier auch weder als Tagebuch noch als Blog oder sonst etwas. Belassen wir es einfach dabei, nicht zu definieren, was es genau ist.

 

Ich schreibe, worüber ich schreibe oder eben auch nicht.

 

Seine Gedanken einfach mal nieder zu schreiben. Ohne groß darauf zu achten, ob sie Sinn ergeben oder nicht. Ohne sich ständig zu fragen, ob es gut ist oder nicht. Kann sehr befreiend sein. Vor allem, wenn man einfach mal die Rechtschreibung nicht ganz so ernst nimmt.

 

Was ich aber meine: Seine Gedanken aufzuschreiben, hilft einem bei der Reflexion. Sich zu ordnen. Dinge besser zu verarbeiten. Viele teils sehr erfolgreiche Menschen integrieren Journaling in ihre tägliche Routine. In welcher Form genau kann jeder für sich selber ausprobieren.

 

Es gibt jedoch noch einen weiteren großen Grund, warum ich dieses Journal regelmäßiger führen möchte. Ich schreibe. Ganz simple. Wenn wir in etwas besser werden wollen, sollten wir es deutlich mehr tun. Wer regelmäßig, viel schreibt, wird sehr wahrscheinlich mit der Zeit besser.

 

Sicherlich gibt es noch einige andere Dinge, die einem helfen mögen, besser zu schreiben. Doch alleine dadurch, dass man sich angewöhnt, einfach zu schreiben — nicht ständig überlegt, was und wie, sondern es einfach tut —, fällt es einem insgesamt leichter. Die typische Schreibblockade wird immer unwahrscheinlicher.

 

Lustigerweise gehen einem ja nicht die Worte aus. Wer mehr schreibt, mehr sagt, der hat auch mehr zu sagen. Zumindest geht es mir so.

 

Ich sehe das Ganze hier mal wieder als kleines Experiment. Ohne genaues Ziel. Ohne genauen Weg. Einfach mal frei von Regeln und Zwängen. Einfach mal nur sein.

 

Naja und halt schreiben.

8. Dezember 2017

Heute war wieder einer dieser Tage

We do not exist for the sake of something else. We exist for the sake of ourselves.

— Shunryu Suzuki

 

Heute war wieder einer dieser Tage.

 

Dieses Gefühl nach mehr. Dieses Bedürfnis nach mehr. Und dieses mehr ist eigentlich eher weniger. Weniger von all den alltäglichen Dingen. Mehr vom Wesentlichen. Zurück zum Wesentlichen.

 

Es ist, als würde mich ein Gefühl überkommen. Doch da ist kein Gefühl. Nichts, das sich fassen ließe. Nichts, was sich beschreiben ließe.

 

Es sind Momente, an denen alles an Bedeutung verliert. An denen alles Verlangen kurz erlischt. An denen es kein Hunger gibt. Nichts zu tun ist. Nichts falsch ist. Alles einfach nur ist.

 

Es sind Momente, an denen ich einen winzigen Schimmer der anderen Seite erhasche. Nicht die Seite des Todes. Der anderen Seite. Des Lebens. Des puren Lebens. Des puren Seins.

 

Es sind diese Momente, an denen ich kein Gefühl mehr für mich habe. Es langsam verliere. Es nie hatte? An denen es — wenn auch nur für einen winzigen Augenblick — kein Denken mehr gibt.

 

Was ich an diesen Tagen fühle? In diesen Momenten? Ich weiß es nicht. Ich fühle mich leer. Und zugleich unglaublich voll.

 

Es ist, als würden sich meine eigenen Grenzen auflösen. Mein Gefühl, was ich bin und was nicht bin, meine Wahrnehmen, mein Körper, mein Sein vermischt. Mit allem und doch nichts.

 

Dann gibt es kein Beschreiben. Kein Bewerten. Mir kommen die Tränen, ohne zu wissen warum. Ohne wissen zu wollen warum. Kein Reflektieren. Kein Denken. Kein Wollen.

 

Ein unglaublich friedlicher Moment.

 

Dann kommt das Denken. Die Fragen. Es bleibt nicht mehr beim Sein. Beim Wahrnehmen. Dann ist der Moment vorbei.

 

Was bleibt, ist dieses Gefühl. Im ganzen Körper. Das Gefühl von Leichtigkeit und doch so schwer.

 

An Tagen wie diesen, an denen nichts wichtig ist. Ein Tag, an dem alles wichtig ist.

 

Heute war einer dieser Tage. Ein Tag wie jeder andere — zumindest, wie jeder andere sein könnte.

5. Dezember 2017

Denken und Glauben

I discovered that it is necessary, absolutely necessary, to believe in nothing. That is, we have to believe in something which has no form and no color — something which exists before all forms and colors appear… No matter what god or doctrine you believe in, if you become attached to it, your belief will be based more or less on a self-centered idea.

— Shunryu Suzuki

 

Wir gehen mit festen Annahmen durch die Welt. Mit Annahmen, wie die Welt beschaffen sei. Wie Dinge funktionieren. Was ist. Was nicht ist.

 

Wir meinen, zu wissen. Sicherlich nicht alles. Und doch sehr viel.

 

Fangen wir an, zu reflektieren, merken wir schnell, wie viel wir nicht wissen. Wohl nie wissen können. Gehen wir weiter, drängt sich eine andere Frage auf: Was wissen wir wirklich? Was können wir uns sicher sein?

 

Diese Frage mag beunruhigen. Denn hinterfragen wir wirklich, was wir zu wissen meinen, kann nicht viel übrig bleiben. All unsere Vorstellungen von der Welt sind letztendlich nur Vorstellungen. Können sie deswegen nicht wahr sein? Sicherlich. Doch warum sollten sie? Und wie wollen wir dies überprüfen?

 

Interessant wird es, wenn wir unsere eigene Existenz hinterfragen. Wer bin ich? Existiere ich wirklich? Können wir uns unserer eigenen Existenz sicher sein?

Ich denke, also bin ich.

— René Descartes

Auf den ersten Blick einleuchtend. Dann aber schon nicht mehr. Schon eher: Ich denke, als gibt es etwas Denkendes. Doch auch dieser Gedanke hat seine Grenzen.

 

Ich überlasse es den Philosophen, was wir denn wirklich wissen können und was auch nicht.

 

Doch ich komme nicht umhin, mich zu fragen: Woran kann ich glauben?

 

Wenn ich schon nichts weiß, so sollte ich zumindest glauben. Oder?

 

Im Laufe der Jahre hat sich meine Antwort auf die Frage, woran ich denn glaube, stark geändert. Mit zunehmenden Alter wurden nicht nur die Dinge, die ich ‘weiß’, weniger, sondern auch jene, an die ich glaube.

 

Muss ich an etwas glauben? Sollte ich an etwas glauben? Ist es eine Entscheidung, an etwas zu glauben? Oder glaube ich einfach an etwas?

 

Ich frage mich, an was glaube ich? Ich weiß es nicht.

 

Glaube kann etwas unglaublich Schönes sein. Etwas unglaublich Machtvolles. Lange Zeit hielt ich es — zu glauben — für etwas Notwendiges. Doch ist es das? Ist Glaube notwendig?

3. Dezember 2017

Nimm dich an

To be beautiful means to be yourself. You don’t need to be accepted by others. You need to accept yourself.

— Thich Nhat Hanh

 

Was tust du alles, um anderen zu gefallen?

 

Von all den Dingen, die du tust. Wie du dich kleidest. Verhältst. Reagierst. Sprichst. Denkst. Was du magst. Was du nicht magst. Von all den Dingen, was tust du für andere?

 

Um akzeptiert zu werden. Anerkennung zu bekommen. Gemocht zu werden. Dazuzugehören. Beneidet zu werden. Ich wette: eine Menge.

 

Und wie viel tust du wirklich nur für dich? Einfach weil du so sein willst. Nicht für andere. Nur für dich.

 

Wie oft bist du einfach mal du? Ohne dir Gedanken zu machen, wie dies gerade bei anderen ankommt. Ohne irgendwelche Erwartungen von anderen zu erfüllen.

 

Bist du dir genug? Einfach nur du selbst zu sein.

 

Sicherlich ist es schön — ja vielleicht sogar notwendig —, von anderen akzeptiert zu werden. Doch ist es nicht wichtiger, sich erst selber zu akzeptieren?

 

Und bedeutet dies nicht, sich nicht für andere zu verstellen? Rollen einzunehmen. Sondern sich selber treu zu sein.

 

Ich wünsche mir, dass wir uns alle selber voll und ganz akzeptieren. Alle Unsicherheiten ablegen. Uns einfach annehmen. Uns selber lieben. Sein lassen. Mit Fehlern. Mit Eigenarten. Mit genau der einzigartigen Mischung, die uns zu uns selber macht.

 

Ich wünsche mir, dass wir mehr wir sind. Authentisch. Lebendig. Fühlend. Einzigartig. Wunderbar.

 

Und dann jeden anderen Menschen genauso sehen und annehmen.

1. Dezember 2017

Gedanken übers Sterben

The fear of death follows from the fear of life. A man who lives fully is prepared to die at any time.

— Mark Twain

Über 26 Jahre hat es gedauert, bis ich wirklich Erfahrung mit dem Tod gemacht habe.

 

Zu erleben, wie eine Person plötzlich nicht mehr ist. Eine Person, die mein ganzes bisheriges Leben immer da war.

 

Zu sehen, wie schnell das Leben einem Körper entweichen kann. Wie der letzte Atemzug — der letzte Herzschlag — wirklich der letzte ist. Wie keiner mehr folgt. Alles ein Ende hat.

 

Doch was hat ein Ende? Und ist es wirklich ein Ende? Der Tod.

 

Ist es nicht verrückt, wie wir heutzutage mit dem Tod umgehen? Wie wir versuchen, ihn so gut es geht zu ignorieren?

 

Doch was ist es, was wir so sehr meiden wollen? Die Konfrontation mit unserer eigenen Sterblichkeit? Die Konfrontation mit der Einsicht, dass wir eigentlich absolut keine Kontrolle haben?

 

Ich meine, wir alle wissen, dass wir sterben werden. Darum gibt es kein herum. Das ist Teil des Ganzen. Teil vom Leben.

Life is like stepping onto a boat which is about to sail out to sea and sink.

— Shunryu Suzuki

Und trotzdem ist es so schwer, Sterben völlig anzunehmen. Woran halten wir fest? Ich weiß es nicht. Aber vielleicht ist die interessantere Frage: Wer oder was hält an der Illusion des Nicht-Sterbens fest?

 

Wir, also ‘ich’? Dann wäre wohl die Frage, wer dieses ‘ich’ denn ist. Eine Frage, die sicherlich einiger Beschäftigung wert ist.

 

Doch wir können auch ohne uns Fragen solcher Natur zu stellen, einen guten Umgang mit dem Tod finden. Vielleicht indem wir einen guten Umgang mit dem Leben haben? Indem wir uns völlig ergeben — dem, was ist. Nicht festhalten — an dem, was nicht ist.

 

Indem wir einfach sind. Bewusst sind. Bewusst leben.

 

So können wir die Angst einfach sein lassen. So wird sie vielleicht sogar ganz verschwinden.

 

Wenn wir nicht mehr versuchen, alles kontrollieren zu wollen. Unser Leben. Unsere Umwelt. Und sogar den Tod. Denn das konnten wir nie und werden wir nie können.

 

Doch was wir können, ist Einfluss nehmen. Aktiv werden. Aber auch passiv sein.

 

Wir können einen Stein ins Wasser werfen. Doch dann bleibt uns nichts anderes als zu schauen, was anschließend passiert.

 

Meine Erfahrungen vom Leben und vor allem vom Tod mögen recht spärlich sein. Doch wie so oft ist es nicht die Quantität, die zählt.

 

Was mich meine Erfahrung mit dem Tod gelehrt hat?

 

Erstmal, dass Sterben absolut nichts Schlimmes sein muss. Jedem, der sich nicht als rein isoliertes Individuum wahrnimmt, mag diese Vorstellung sicherlich leichter fallen anzunehmen.

 

Ansonsten vor allem eins: Leben ist kurz. Kostbar. Unglaublich wertvoll. Darum sollten wir jeden Moment nutzen. Leben. Erleben. Unser Leben mit Liebe und Glück füllen. Mit wunderbaren Menschen. Sinn und Werten. Dinge, für die es sich zu leben lohnt. Und für die wir auch sterben würden.

 

Das ist es, was mich der Tod bisher am meisten gelehrt hat: Sein Leben zu leben. Unserer menschliche Erfahrung als das zu sehen, was sie ist: Ein Geschenk. Ein Wunder. Genau wie jeder einzelne Tag. Jeder einzelne Moment.

30. November 2017

Was willst du machen und wer willst du sein?

Es ist jetzt schon fast 7 Wochen her, seitdem ich meinen letzten Blogartikel veröffentlicht habe. Nicht weil ich keine Lust dazu hatte, sondern weil ich einfach andere Sachen, wie 4 Wochen lang durch Island zu reisen, zu tun hatte. Als ich wieder gekommen bin, war meine erste Reaktion: Oh fuck, mein letzter Artikel ist schon so lange her. Schließlich hört man überall, dass man regelmäßig neuen Content produzieren muss, damit andere Leute den eigenen Blog überhaupt konsumieren.

Doch schnell habe ich mich wieder besonnen. Immer und überall bekommt man vorgeschrieben, oder auch als guten Ratschlag verpackt, was man wie machen sollte. Sicherlich ist an vielen Dingen auch eine Menge dran. So ist das regelmäßige Veröffentlichen von neuen Inhalten sicherlich sehr hilfreich, um eine große Leserschaft aufzubauen. Doch wir sollten uns immer erst mal fragen, was wir eigentlich selber wollen.

Viel zu oft hören wir einfach auf andere Menschen. Sie geben uns Hinweise und Ratschläge und wir handeln danach. In einer Fachzeitschrift lesen wir, dass wir etwas am besten auf eine bestimmte Art und Weise machen sollten, also tun wir es. Doch nur weil etwas unter Umständen so am besten gemacht wird, heißt es noch lange nicht, dass es so auch am besten für dich funktioniert. Vielleicht ist der effektivste Weg gar nicht für dich geeignet, da er dich gar nicht zu deinem Ziel bringt.

Es ist, als wenn du eine große Leiter vor dir hast. Du betrachtest die Leiter, schaust dir ihre Beschaffenheit an, siehst, dass es Sprosse für Sprosse nach oben geht, ohne wirklich das Ende zu sehen. Plötzlich kommt eine Person und gibt dir Ratschläge, wie du am besten diese Leiter besteigen könntest. Also fasst du nach der Leiter und steigt langsam hinauf. Eine Sprosse nach der anderen kämpfst du dich nach oben. Auf deinem Weg erhältst du immer wieder Unterstützung, um die Leiter weiter zu erklimmen. Irgendwann erreichst du das Ende. Du kommst ganz oben an. Vor dir erstreckt sich die Landschaft und du kannst von oben alles überblicken, was du überwunden hast, um an diese Stelle anzukommen. Langsam schaust du dich um und nicht weit von dir entfernt siehst du eine weitere Leiter. Unerwartet wird dir bewusst, dass du gar nicht auf deiner Leiter sein willst. Diese Leiter wolltest du gar nicht besteigen, sondern diese andere direkt neben dir. Wäre es nicht viel sinnvoller, zu Beginn zu überlegen, auf welche Leiter du steigen willst?

Nur weil dir jemand Unterstützung für etwas gibt, solltest du es nicht gleich unüberlegt umsetzen. Wenn du überhaupt keine Idee hast, was du überhaupt machen willst, dann ergibt es Sinn, einfach drauf loszugehen. Unterwegs kannst du immer noch nachjustieren und zu Not einfach zurück gehen. Doch bevor du einfach etwas tust, stell dir erst mal die Frage:

Was willst du machen?

Das bringt mich gleich zu einem weiteren Punkt. Von allen Seiten bekommt man zu hören, was man alles tun sollte. Man bekommt schnell den Eindruck, dass man etwas tun muss. Sich immer weiter entwickeln muss. Ich liebe es, zu lernen, mich zu verändern, alte Gewohnheiten zu überdenken und abzulegen und Neues in mein Leben zu integrieren. Doch viel zu schnell schwappt alles in einen Zwang über. Dann impliziert es, dass man sich verändern muss, da man nicht genug ist.

Es ist wie als kleines Kind. Man wird gefragt, wer man sein möchte, wenn man mal groß ist. So viel Interesse und gute Intentionen auch hinter der Frage stecken, irgendwie schwingt immer noch etwas anderes mit. Schnell schlussfolgert man, dass man momentan nicht genug ist. Man muss sich verändern. Etwas Richtiges werden.

Ich wünsche mir, dass wir die Dinge anders angehen. Mit dem Bewusstsein, dass wir schon mehr als ausreichend sind, sollten wir uns überlegen, wer wir werden wollen und was WIR wirklich machen wollen. Das würde so vielen den Druck nehmen, etwas werden und erreichen zu müssen. Nur durch diese andere Grundhaltung können wir Dinge anders angehen. Unbekanntes wird weniger bedrückend und Angst einflößend. Alles wird fast zum Spiel. Ohne diesen Druck, den wir uns selbst auferlegen, bereiten wir Kreativität den Weg. Wir können kreativ werden und unser Leben nach unseren Vorstellungen gestalten.

Lass es uns versuchen.

Du bist gut, so wie du bist. Du bist ausreichend. Du bist vollständig. Gleichzeitig bist du voller Potenzial. Also.

 

“Wer willst du sein?”

21. November 2017