Essentialismus

Kriterien für täglichen Fortschritt

Woran machst du Fortschritt fest? Woher weißt du, ob du in die richtige Richtung gehst? Ob du deinen Zielen wirklich näherkommst?

Es passiert so schnell, dass wir uns an ungünstigen Metriken orientieren. An Sachen, die nicht geeignet sind, um unseren Fortschritt wirklich zu messen. Wenn du an den falschen Sachen arbeitest, kommst du nicht voran. Dann kannst du auch noch so produktiv arbeiten. Also, woran solltest du deinen Fortschritt messen?

Schlechte Kriterien für täglichen Fortschritt:

  • Anzahl von erledigten Aufgaben
  • Anzahl von bearbeiteten E-Mails
  • Anzahl von besuchten Meetings
  • Anzahl der Personen, mit denen du gesprochen hast
  • Anzahl der Stunden, die du gearbeitet hast
  • Du warst den ganzen Tag beschäftigt

Gute Kriterien für täglichen Fortschritt:

  • Anzahl von veröffentlichten Artikeln, Videos usw.
  • Anzahl von Personen, denen du geholfen hast bzw. dessen Tag du besser gemacht hast
  • Anzahl der Dinge, die du an diesem Tag gelernt hast
  • Dauer, in der du Freude, tiefe Zufriedenheit oder Dankbarkeit verspürt hast
  • Du kannst am Ende des Tages mit »Ja« antworten, ob du deinem momentanen Ziel wirklich etwas nähergekommen bist
  • Du hast dich morgens gefragt, was das allerwichtigste an diesem Tag ist und hast dich darauf fokussiert

Viel zu oft orientieren wir uns an Sachen, die nicht viel aussagen. Die unwichtig sind. Meinen, dass es reicht, beschäftigt zu sein. Doch so werden wir unsere Ziele wahrscheinlich nicht erreichen. So machen wir keinen Fortschritt. Überlege dir daher gut, woran du deinen Fortschritt festmachst.

Harte Arbeit ist definitiv nicht alles

Wer große Fortschritte machen möchte, tendiert schnell dazu, fokussiert und lange zu arbeiten. Doch wir sind oft deutlich besser dran, wenn wir zuerst den großen Domino identifizieren.

Harte Arbeit ist gut, wenn wir an den richtigen Sachen arbeiten. Zuvor sollten wir den Engpass identifizieren. Arbeiten wir an den falschen Sachen, führt das eher zu Frustration als zu wirklichem Fortschritt.

Der einfachste Weg, seine Sachen zu organisieren

Es gibt viele Wege, seine Sachen zu organisieren. Mit der Zeit haben sich verschiedene Methoden bewährt. Doch es gibt einen Weg, der am einfachsten ist: Die meisten seiner Sachen loszuwerden.

Wenn wir weniger haben, müssen wir auch weniger organisieren. Das ist offensichtlich. Gleichzeitig übersehen wir diese Option oft. Wir versuchen alles mögliche zu managen. Unsere Zeit. Mitarbeiter. Aktivitäten. Dinge. Aufgaben.

Wir können uns jedoch erstmal fragen, was wir eigentlich wirklich wollen. Dann können wir uns fragen, was wir dafür brauchen. Was wir in unserem Leben haben wollen. Alles andere können wir loswerden.

Fear of missing out

Die Angst, etwas zu verpassen, ist allgegenwärtig. Man könnte meinen, sie sei zur Krankheit unserer Zeit geworden.

Die Symptome:

  • Das Smartphone immer und überall dabei haben.
  • Unaufhörliches Scannen des Feeds verschiedener Social Media Plattformen.
  • Ständiges E-Mail checken.
  • Unfähigkeit bei nur einer Sache zu bleiben. Vor allem sich nur auf einen Gesprächspartner zu fokussieren.

Wollen wir wirklich so unsere Leben verbringen? Wir wäre es, wenn wir stattdessen die Freude des Verpassens zelebrieren? Joy of missing out statt fear of missing out. JOMO statt FOMO.

Worum geht es dir?

Du möchtest Autor werden? Künstler sein? Ein Online Business betreiben? Influencer werden? Selbstständig sein? Alles gut. Werde es.

Doch worum geht es dir wirklich?

Willst du ein Buch schreiben oder willst du ein Buch veröffentlicht haben? Geht es dir um den Prozess oder um das Ergebnis? Wenn du etwas nur für das Ergebnis tust, überdenke es nochmal.

Bedeutungsvolle Arbeit entsteht dort, wo dir der Weg genauso wichtig wie das Ziel ist.

Aufgeschobene Belohnung

Sehr häufig stimmen das, was du im Moment willst, und das, was langfristig das beste für dich ist, nicht überein. Dies mag einer der stärksten Gründe sein, warum viele Menschen nicht das Leben führen, welches sie eigentlich führen wollen.

Wenn wir uns auf die kurzfristigen Belohnungen fokussieren, mag sich dies im Moment gut anfühlen. Doch langfristig kann dies große Einschränkungen und Unzufriedenheit für uns bedeuten.

Wenn wir uns hingegen auf die langfristige Belohnung fokussieren, treffen wir meistens die langfristig besseren Entscheidungen. Langfristig geht es uns dann in vielen Fällen besser.

Um nur ein paar Bereiche zu nennen, auf die dies zutrifft: Investment, Lernen, Abnehmen, Fitness, Persönlichkeitsentwicklung, Gewohnheiten, Gesundheit, etwas aufbauen, Karriere, Familie, Sparen, Wein …

Man könnte das Ganze auch anders formulieren: Viele Menschen wollen ernten bevor sie etwas gesät haben. Doch selbst das Säen ist nicht ausreichend. Wir müssen es pflegen und wachsen lassen. Erst dann können wir die wirklich guten Früchte ernten.

Die 2 einzig wichtigen Sachen, die es zu tun gilt

Es gibt nur 2 wirklich wichtige Sachen in unserem Leben:

  1. Herauszufinden, was für uns bedeutungsvoll ist
  2. Diese bedeutungsvollen Sachen machen

Alles andere ist praktisch unwichtig.

Wenn du nicht weißt, was für dich bedeutungsvoll ist, sollte dein Fokus darauf liegen, es herauszufinden. Erlange Klarheit darüber, was bedeutungsvoll für dich bedeutet. Welche Sachen für dich im Leben essentiell sind.

Wenn du weißt, was für dich bedeutungsvoll ist, fokussiere dich genau auf diese Sachen. Lass dich nicht von anderen Sachen ablenken. Vieles mag wichtig erscheinen und teilweise auch wichtig sein. Doch am Ende des Tages ist das allermeiste völlig unwichtig. Nur sehr sehr wenige Sachen sind wirklich von Bedeutung. Fokussiere dich genau auf diese essentiellen Sachen.

Verbesserung durch Wegnehmen

Zu oft verfallen wir der Annahme, wir müssten etwas hinzufügen, um etwas zu verbessern. Doch häufig machen wir etwas erst wirklich großartig, wenn wir Dinge wegnehmen. Das gilt vor allem für unser eigenes Leben.

Statt uns ständig darauf zu fokussieren, was wir tun können und sollten, können wir uns darauf fokussieren, was wir nicht mehr tun wollen.

Man könnte das auch als eine negative Herangehensweise an das Leben bezeichnen. Tatsächlich ist daran jedoch nichts schlecht. Viel mehr ist es eine umgekehrte Herangehensweise zu der des Hinzufügens.

»Perfektion ist nicht dann erreicht, wenn es nichts mehr hinzuzufügen gibt, sondern wenn man nichts mehr weglassen kann.«
– Antoine de Saint-Exupéry

Mehr Produktivität für die eigenen Träume

Wenn wir produktiver werden wollen, denken wir meistens daran, was wir alles mehr machen können. Wie wir mehr erledigen können. Am Ende mehr Geld verdienen. Noch erfolgreicher sein. Oder auch eine größere positive Veränderung herbeiführen.

Doch der größte Mehrwert einer gesteigerten Produktivität liegt vielleicht gar nicht darin. Indem wir produktiver sind, können wir Sachen machen, die wir sonst nie tun könnten. Es geht darum, dass wir unseren Träumen, Wünschen, Visionen und Ideen die Möglichkeit geben, Realität zu werden.

Dies sind zugleich die größten Kosten von Unproduktivität. All die nicht gelebten Träume und Ideen.

Die große Ironie der Produktivität liegt doch darin, dass es vor allem darum geht, weniger zu tun. Weniger unnötige Sachen. Dafür mehr Zeit für die wichtigen Sachen zu haben.

Optionen

In den letzten Jahrzehnten sind die Möglichkeiten, die jeder einzelne von uns hat, enorm gestiegen. Es gibt kaum einen Bereich unseres westlichen Lebens, in denen wir nicht eine unüberschaubare Auswahl haben. Nicht alle Optionen wie jeder mögliche Job stehen jedem offen. Doch grundsätzlich ist die Auswahl unüberschaubar.

Optionen zu haben, ist etwas Gutes, oder? Die meisten Menschen würden sehr viele Optionen als etwas Positives sehen. Keine Frage, keine Optionen zu haben, ist definitiv nicht besser. Doch können zu viele Möglichkeiten auch ihre Schattenseiten haben? Kann es sein, dass wir mit all diesen Optionen gar nicht umgehen können? Kann es sein, dass wir das erste Mal in der Geschichte der Menschheit so viele Optionen haben, dass sie uns überfordern? Dass sie zu einer Ursache von Leid werden? Jeder von uns hat unglaublich viele Optionen und weder wir als Individuum noch wir als Gesellschaft sind darauf vorbereitet. Wir wissen nicht, wie wir damit umgehen sollen.

Warst du schon mal in der Situation, dass du zu zwei tollen Events hättest gehen können, nur dass beide gleichzeitig stattfanden? Vielleicht ein Geburtstag und ein Konzert. Konntest du dich schon mal nicht entscheiden, wo du hingehst? Sicherlich. Dies verursacht schnell Stress. Manchmal kann es so weit gehen, dass wir zu keinem der beiden Events gehen. Ist das nicht verrückt?

Oder bei vielen Menschen kommt der alljährliche Silvesterstress: Wo ist man zum Jahreswechsel? Eigentlich könnte es ein schöner und entspannter Abend sein. Doch so viele Optionen machen alles kompliziert.

Natürlich gibt es noch ganz andere Bereiche. Wie sieht es mit der Berufswahl aus? Wieder: Wenn einem mehr Möglichkeiten offen stehen, sollte dies gut sein, richtig? Doch gleichzeitig plagen sich so viele Menschen, was sie denn werden wollen. Dann heißt es: „Ich könnte alles, wenn ich nur wüsste, was ich will.“ Weißt du, was du im Leben willst? Viele Menschen wissen es nicht. Und mehr Optionen machen es auch nicht leichter. Tatsächlich machen es mehr Optionen komplizierter. Es kann so weit gehen, dass wir uns völlig überfordert fühlen und einfach gar nicht entscheiden wollen. Wir fühlen uns nicht in der Lage, eine gute Entscheidung zu treffen.

In der Tat kosten uns Entscheidungen Energie. Wir müssen analysieren, abwägen, bewerten und uns entscheiden. Bei all den vielen Optionen müssen wir täglich unzählige Entscheidungen treffen. Je mehr Entscheidungen wir treffen müssen, desto schlechter wird die Qualität unserer Entscheidungen. Im Laufe des Tages nimmt also unsere Fähigkeit, gute Entscheidungen zu treffen, ab. Man spricht auch von Entscheidungsermüdung. Optionen haben also auch ihre Kosten.

Es ist aber nicht nur die große Menge an Optionen, die uns zu schaffen macht. In den letzten Jahren hat zusätzlich noch etwas anderen enorm zugenommen: Die Meinungen mit denen wir konfrontiert werden. Social Media hat es ermöglicht, dass jeder seine Meinung zu alles verkünden kann. Wir bekommen mit, was andere tun. Wir bekommen ein Bild vermittelt, was das ”Richtige” ist. Natürlich kommen dann noch die Meinungen von uns Nahestehenden hinzu: „Es ist egal, was du machst, Hauptsache du bist glücklich.“ Oder: „Wir wollen nur das Beste für dich. Dir stehen alle Möglichkeiten offen.“

Wir haben also unzählige Optionen, verbunden mit einem steigenden Einfluss auf unsere Optionen. Es liegt nicht mehr alleine bei uns, wie wir die Optionen sehen und was wir mit ihnen machen. Manchmal kann es sich sogar anfühlen, als würde die ganze Welt zuschauen, was wir machen. Womit wir enden, ist nicht nur eine Flut von Optionen und Informationen, sondern auch mit einer Flut von Meinungen. Was für ein toller Mix. Wozu dies führt, hat wohl jeder schon Mehrfach erlebt.

Also, vielleicht sind weniger Optionen manchmal besser?

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