Persönlichkeitsentwicklung

Innere Arbeit als Ablenkung

Machen wir uns nichts vor: Die Arbeit an uns selbst ist nie abgeschlossen. Wir können immer weiter, immer mehr an uns selbst arbeiten. Und das ist auch gut so. Schließlich ist die innere Arbeit eine wesentliche Grundlage, damit wir gute Arbeit im Äußeren machen können.

Innere Arbeit ist schwer. Daher ist es nur verständlich, dass viele Menschen sich vor ihr scheuen. Meinen, sie könnten sie ignorieren. Ohne sie auskommen. Diese Menschen haben die Arbeit an sich selbst meist am nötigsten.

Gleichzeitig können wir uns auch in innerer Arbeit verstecken. Solange wir an uns selbst arbeiten, müssen wir keine Werke in die Welt bringen. Wir können es als Entschuldigung sehen. Schließlich sind wir so sehr mit uns selbst beschäftigt. Wie könnte da jemand nur auf die Idee kommen, wir müssten in anderen Bereichen Fortschritte machen?!

Innere Arbeit ist wichtig. Ja notwendig. Doch wir sollten sie nie als Ausrede nehmen, unsere Kreationen in die Welt zu bringen. Einen Beitrag zu leisten. Die Welt etwas besser zu machen.

Machst du dir selbst etwas vor?

Unsere Identität beeinflusst unsere Gedanken. Unsere Gedanken beeinflussen unsere Taten.

Unsere Taten beeinflussen unsere Gedanken. Unsere Gedanken beeinflussen unsere Identität.

Möchtest du ein Autor, Athlet, Podcaster, Künstler oder [füge hier deine gewünscht Identität ein] sein? Dann musst du auch die nötigen Handlungen ausführen. Ein Autor schreibt. Ein Athlet trainiert. Ein Podcaster produziert neue Podcastfolgen. Ein Künstler kreiert.

Identifizierst du dich mit einer Rolle, führst jedoch nicht die entsprechenden Tätigkeiten regelmäßig aus? Dann wird es Zeit, dass du dich ersthaft fragst, ob dein Selbstbild noch passend ist.

Erzähle anderen nicht, wer du bist oder was du alles tun möchtest, lass deine Taten sprechen.

Möglichkeiten zur eigenen Fortbildung

Es gibt unzählige Möglichkeiten, um sich selbst fortzubilden. Wir müssen nicht zur Schule gehen, um etwas zu lernen. Wir müssen keine riesigen Summen für unsere Bildung investieren. Wir haben unglaublich tolle Möglichkeiten, nahezu alles zu lernen, was wir wollen.

Hier sind einige Anregungen:

  • Bücher
  • Podcasts
  • YouTube Tutorials
  • TED Talks
  • Online Kurse
  • Ausbildungen und Fortbildungen
  • Hochschulkurse
  • Leute interviewen
  • Praktika
  • Webinare, Workshops & Vorträge
  • Einfach etwas machen und ausprobieren

Wir haben unzählige Möglichkeiten. Wir müssen sie nur nutzen.

Die schlechten Tage sind die wichtigsten

Es sind die Tage, an denen du dich nicht danach fühlst, die besonders wichtig sind. Wenn du nicht schreiben willst. Wenn dir nicht nach einem Workout ist. Wenn du deine Vorhaben über den Haufen werfen willst.

Wenn es dir gut geht und du motiviert bist, ist es einfach deine Ziele zu verfolgen. Diese Tagen bringen dich wahrscheinlich am meisten voran.

Doch es sind die schlechten Tage, an denen du deine Identität prägst und kräftigst. Diese Tage mögen dein Leben nicht transformieren und gleichzeitig sind sie ein essentieller Bestandteil davon.

Aufgeschobene Belohnung

Sehr häufig stimmen das, was du im Moment willst, und das, was langfristig das beste für dich ist, nicht überein. Dies mag einer der stärksten Gründe sein, warum viele Menschen nicht das Leben führen, welches sie eigentlich führen wollen.

Wenn wir uns auf die kurzfristigen Belohnungen fokussieren, mag sich dies im Moment gut anfühlen. Doch langfristig kann dies große Einschränkungen und Unzufriedenheit für uns bedeuten.

Wenn wir uns hingegen auf die langfristige Belohnung fokussieren, treffen wir meistens die langfristig besseren Entscheidungen. Langfristig geht es uns dann in vielen Fällen besser.

Um nur ein paar Bereiche zu nennen, auf die dies zutrifft: Investment, Lernen, Abnehmen, Fitness, Persönlichkeitsentwicklung, Gewohnheiten, Gesundheit, etwas aufbauen, Karriere, Familie, Sparen, Wein …

Man könnte das Ganze auch anders formulieren: Viele Menschen wollen ernten bevor sie etwas gesät haben. Doch selbst das Säen ist nicht ausreichend. Wir müssen es pflegen und wachsen lassen. Erst dann können wir die wirklich guten Früchte ernten.

Zwei Welten

Dein Bild von dir stimmt selten mit dem Bild anderer von dir überein.

Du erlebst dich durch deine Gedanken und Gefühle.

Der Rest der Welt erlebt dich durch deine Handlungen.

Sei dir dieses Unterschieds immer bewusst. Immer wenn du dich unverstanden fühlst, frage dich: Habe ich meine Gedanken und Gefühle ausreichend geteilt? Versuche ich, die Gedanken und Gefühle meines Gegenübers ausreichend zu ergründen?

Keine Ziele

Wenn es um Erfolg und Produktivität geht, werden Ziele meistens als eine Notwendigkeit angesehen. Als seien sie eine unerschütterliche Grundvoraussetzung, dass man erfolgreich ist.

Sicherlich nicht ohne Grund. Doch sind die wirklich notwenig?

Weiterhin gibt es einige verbreitete Überzeugungen in Bezug auf Ziele:

  • Wir müssen die richtigen Ziele identifizieren und festlegen
  • Wir müssen unsere Ziele auf die richtige Art und Weite formulieren (z.B. SMART bzw. SMARTER)
  • Wir brauchen viele umsetzbare Zwischenziele
  • Wir brauchen Fristen und Deadlines
  • Wir stellen unsere Ziele in den Fokus unseres Tages

Und bei sehr vielen funktioniert es auch. Menschen erreichen ihre Ziele. Die Arbeit mit ihnen, erlaubt es ihnen, erfolgreich zu sein. Ich möchte absolut nicht infrage stellen, ob die Arbeit mit Zielen Früchte tragen kann. Definitiv kann sie das. Doch ist das der einzige Weg, um erfolgreich zu sein? Und hat dieses Vorgehen auch Kosten?

Ziele haben auch ihre Schattenseiten:

  • Ziele können uns behindern: Sie können uns daran hindern, langfristig zu denken. Sie können vermeiden, dass wir erkennen, was eine bessere Option wäre. Wenn wir zu sehr an unseren Zielen festhalten, können wir für anderes blind werden.
  • Ziele sind künstlich: Sie können unsere Kreativität einschränken. Wir tun nicht mehr das, was wir gerade tun wollen. Nicht das, was gerade aus uns oder durch uns fließt. Sie behindern den Strom. Stattdessen arbeiten wir weiter an unseren Zielen.
  • Ziele erzeugen Stress: Sie üben Druck auf uns aus. Dieser Stress kann uns zu besonderen Taten bringen. Wir erreichen große Ziele. Erledigen Sachen. Gleichzeitig können wir uns überfordern. Krank werden. Ausbrennen.
  • Ziele sind in der Zukunft: Sie sind von Natur aus auf die Zukunft gerichtet. Es geht darum, was alles anders sein soll. Ziele können uns davon abhalten, im Augenblick zu sein. Uns auf die Gegenwart zu fokussieren.
  • Ziele enden nie: Sie bringen uns zu einer Lebensweise immer nach weiteren Ziele zu streben. Nachdem wir ein Ziel erreicht haben, setzen wir uns ein Neues. Ein Leben in ständiger Unruhe. Immer nach dem Bestreben auf etwas, das nicht ist.
  • Ziele können uns unglücklich machen: Sie bringen uns dazu, zu glauben, dass wir glücklich seien, wenn wir Ziele erreichen. So verlagern wir unser Glück in die Zukunft. Auf eine ungewisse Möglichkeit. Wir sind dann überzeugt, dass wir etwas bräuchten oder erreichen müssen, um glücklich zu sein. Ziele können uns behindern, jetzt glücklich zu sein.

Sicherlich könnte man meinen, dass das Streben nach immer Neuem etwas Gutes ist. Schließlich ist es nur natürlich, sich zu entwickeln. Doch kann es nicht auch schnell bedeuten, dass wir nie wirklich zufrieden sind? Worum geht es letztendlich im Leben? Wollen wir nicht Glück und Bedeutung finden? Helfen uns Ziele dabei wirklich?

Wie gehen wir damit um? Wie gesagt, ich möchte nicht sagen, dass wir komplett aufhören sollten, uns Ziele zu setzen. Nein, wir können Ziele haben. Wir können Wünsche haben. Wir können streben. Versuchen, unser Leben zu gestalten.

Dabei ist es jedoch wichtig, mit was für einer Einstellung wir dies tun. Wir können versuchen, nicht aus einem Mangel heraus zu agieren. Wir können versuchen, öfter im Hier und Jetzt zu sein. Wir können glücklich sein, unabhängig davon was wir erreicht haben. Wir können uns auf den Prozess fokussieren. Unserem Fortschritt und unser Entwicklung mehr Bedeutung geben als irgendwelchen Zielen.

Wir können Ziele nutzen, um unsere Zukunft zu gestalten. Gleichzeitig können wir eine gesunde Distanz zu ihnen haben. Unser Leben nicht von ihnen bestimmen lassen. Das tun, was uns wirklich bewegt. Was uns am Herzen liegt.

Wenn wir von etwas inspiriert werden, können wir uns dem widmen. Auch wenn es sich nicht mit unseren Zielen deckt. Das bedeutet aber auch nicht, dass wir ständig reagieren und Hin und Her irren. Es bedeutet, dass wir mehrere Gegensätze vereinen. Aktiv aber auch passiv sind. Also, du kannst Ziele haben. Vielleicht nicht unbedingt immer und für alles. Nutze Ziele für dich. Doch nur solange sie dir wirklich nutzen.

Fortschritt

Warum solltest du dich auf den Fortschritt fokussieren, wenn es überall nur um Ergebnisse geht? Letztendlich sind Ergebnisse wichtig, oder?

Ja natürlich. Doch wenn du dich auf das Ergebnis fokussierst, gewinnst du einmal. Wenn du dich stattdessen auf den Prozess und die Entwicklung fokussierst, gewinnst du immer und immer wieder.

Es geht nicht darum, einmal gute Ergebnisse zu erlangen. Nein. Du willst immer und immer wieder gute Ergebnisse erreichen. Das tust du indem du dich auf den Fortschritt fokussierst. Indem du die Ergebnisse zurückstellst und stattdessen lernst, wie du immer besser wirst. Die Ergebnisse kommen dann schon.

Täglich ein winzig kleiner Fortschritt ist mehr wert, als sporadisch ein großes Stück weiter zu kommen. Es geht nicht nur um die Ergebnisse. Es geht darum, dass du täglich Energie investiert. Es geht darum, dass du besser wirst. Dass du besser darin wirst, besser zu werden.

Wichtig ist nicht, dass du immer Großes vollbringst. Wichtig ist nicht, dass du immer Steine umdrehst. Wichtig ist, dass du immer antrittst. Dass du regelmäßig an dir und deinen Fähigkeiten arbeitest. Dass du täglich einen winzigen Fortschritt machst.

Bei deinem 1. Training bist du völlig untrainiert. Bei deinem 1000. Training bist du stark und durchtrainiert.

Bei deinem 1. Vortrag bist du unsicher und nervös. Bei deinem 1000. Vortrag wirkst du seriös, selbstsicher und professionell.

Dein 1. Blogbeitrag ist schlecht (meiner war es zumindest). Dein 1000. ist großartig (meiner wird es hoffentlich sein).

Es geht nicht darum, wie gut oder schlecht du etwas am Anfang machst. Jeder hat mal angefangen. Jeder war mal schlecht. Jeder kann sich verbessern. Es ist nicht wichtig, wo du momentan bist, sondern wie deine Entwicklung verläuft. Fokussiere dich auf den Prozess. Werde besser und lerne. Deine Entwicklung zählt.

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