Was willst du machen und wer willst du sein?

Es ist jetzt schon fast 7 Wochen her, seitdem ich meinen letzten Blogartikel veröffentlicht habe. Nicht weil ich keine Lust dazu hatte, sondern weil ich einfach andere Sachen, wie 4 Wochen lang durch Island zu reisen, zu tun hatte. Als ich wieder gekommen bin, war meine erste Reaktion: Oh fuck, mein letzter Artikel ist schon so lange her. Schließlich hört man überall, dass man regelmäßig neuen Content produzieren muss, damit andere Leute den eigenen Blog überhaupt konsumieren.

Doch schnell habe ich mich wieder besonnen. Immer und überall bekommt man vorgeschrieben, oder auch als guten Ratschlag verpackt, was man wie machen sollte. Sicherlich ist an vielen Dingen auch eine Menge dran. So ist das regelmäßige Veröffentlichen von neuen Inhalten sicherlich sehr hilfreich, um eine große Leserschaft aufzubauen. Doch wir sollten uns immer erst mal fragen, was wir eigentlich selber wollen.

Viel zu oft hören wir einfach auf andere Menschen. Sie geben uns Hinweise und Ratschläge und wir handeln danach. In einer Fachzeitschrift lesen wir, dass wir etwas am besten auf eine bestimmte Art und Weise machen sollten, also tun wir es. Doch nur weil etwas unter Umständen so am besten gemacht wird, heißt es noch lange nicht, dass es so auch am besten für dich funktioniert. Vielleicht ist der effektivste Weg gar nicht für dich geeignet, da er dich gar nicht zu deinem Ziel bringt.

Es ist, als wenn du eine große Leiter vor dir hast. Du betrachtest die Leiter, schaust dir ihre Beschaffenheit an, siehst, dass es Sprosse für Sprosse nach oben geht, ohne wirklich das Ende zu sehen. Plötzlich kommt eine Person und gibt dir Ratschläge, wie du am besten diese Leiter besteigen könntest. Also fasst du nach der Leiter und steigt langsam hinauf. Eine Sprosse nach der anderen kämpfst du dich nach oben. Auf deinem Weg erhältst du immer wieder Unterstützung, um die Leiter weiter zu erklimmen. Irgendwann erreichst du das Ende. Du kommst ganz oben an. Vor dir erstreckt sich die Landschaft und du kannst von oben alles überblicken, was du überwunden hast, um an diese Stelle anzukommen. Langsam schaust du dich um und nicht weit von dir entfernt siehst du eine weitere Leiter. Unerwartet wird dir bewusst, dass du gar nicht auf deiner Leiter sein willst. Diese Leiter wolltest du gar nicht besteigen, sondern diese andere direkt neben dir. Wäre es nicht viel sinnvoller, zu Beginn zu überlegen, auf welche Leiter du steigen willst?

Nur weil dir jemand Unterstützung für etwas gibt, solltest du es nicht gleich unüberlegt umsetzen. Wenn du überhaupt keine Idee hast, was du überhaupt machen willst, dann ergibt es Sinn, einfach drauf loszugehen. Unterwegs kannst du immer noch nachjustieren und zu Not einfach zurück gehen. Doch bevor du einfach etwas tust, stell dir erst mal die Frage:

Was willst du machen?

Das bringt mich gleich zu einem weiteren Punkt. Von allen Seiten bekommt man zu hören, was man alles tun sollte. Man bekommt schnell den Eindruck, dass man etwas tun muss. Sich immer weiter entwickeln muss. Ich liebe es, zu lernen, mich zu verändern, alte Gewohnheiten zu überdenken und abzulegen und Neues in mein Leben zu integrieren. Doch viel zu schnell schwappt alles in einen Zwang über. Dann impliziert es, dass man sich verändern muss, da man nicht genug ist.

Es ist wie als kleines Kind. Man wird gefragt, wer man sein möchte, wenn man mal groß ist. So viel Interesse und gute Intentionen auch hinter der Frage stecken, irgendwie schwingt immer noch etwas anderes mit. Schnell schlussfolgert man, dass man momentan nicht genug ist. Man muss sich verändern. Etwas Richtiges werden.

Ich wünsche mir, dass wir die Dinge anders angehen. Mit dem Bewusstsein, dass wir schon mehr als ausreichend sind, sollten wir uns überlegen, wer wir werden wollen und was WIR wirklich machen wollen. Das würde so vielen den Druck nehmen, etwas werden und erreichen zu müssen. Nur durch diese andere Grundhaltung können wir Dinge anders angehen. Unbekanntes wird weniger bedrückend und Angst einflößend. Alles wird fast zum Spiel. Ohne diesen Druck, den wir uns selbst auferlegen, bereiten wir Kreativität den Weg. Wir können kreativ werden und unser Leben nach unseren Vorstellungen gestalten.

Lass es uns versuchen.

Du bist gut, so wie du bist. Du bist ausreichend. Du bist vollständig. Gleichzeitig bist du voller Potenzial. Also.

 

“Wer willst du sein?”